19. August 2010
Die Kartoffel ist ein hochwertiges Nahrungsmittel. Ihre wertvollen Inhaltsstoffe und den sortentypischen Geschmack kann sie jedoch nur bei optimaler Nährstoffversorgung hervorbringen. Von allen Nährstoffen ist Kalium das Nährelement, welches den größten Einfluss auf die Qualitätsmerkmale der Kartoffel hat. Auch die Kaliumform ist von großer Bedeutung: Eine sulfatische Kaliumdüngung erhöht zum Beispiel den Stärkegehalt in der Knolle gegenüber einer Kaliumchlorid-Düngung.
Ein hoher Kostendruck in der Landwirtschaft – bei gleichzeitig meist fallenden Produktpreisen – hat zu intensiven Diskussionen über die notwendige Höhe der Kaliumgrunddüngung geführt. Viele Landwirte versuchen durch eine verminderte Grunddüngung Kosten zu reduzieren. Dieses Bestreben wird in Beratung und Praxis häufig überzogen. Dies zeigt die Tatsache, dass nach den Ergebnissen von Bodenuntersuchungen in Niedersachsen über 40 Prozent aller Bodenproben in die Versorgungsbereiche A und B – unzureichend versorgt – einzustufen sind.
Die Kartoffel ist die Kultur mit den höchsten Kaliumentzügen (Foto: K+S KALI GmbH)
Besonders im Stärke- und Industriekartoffelanbau wurde die Kaliumdüngung während der Zeit hoher Kalipreise vernachlässigt, um Kosten zu sparen. Bekannt ist, dass eine mittlere Kaliumdüngung die Trockensubstanz- und Stärkegehalte der Knollen erhöhen kann. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Höhe der Auszahlungspreise bzw. Qualitätsprämien: Den dafür notwendigen finanziell höheren Aufwendungen stehen deutlich verbesserte Erlöse gegenüber.
Eine unzureichende Kaliumdüngung führt schnell zu Lager- und Qualitätsproblemen. Um dies zu belegen wurden seitens der K+S KALI GmbH und deren agronomischen Anwendungsberatern umfangreiche Kalium-Feldversuche im Kartoffelanbau durchgeführt. Die Er-gebnisse sind im Folgenden dargestellt.
Mehrjährige Versuche zeigen, dass der Knollenertrag in einer engen Beziehung zum Kaliumgehalt im Kartoffelkraut steht. Bei einem Kaliumgehalt von vier bis fünf Prozent in der Trockensubstanz (TS) des Blattes lassen sich Knollenerträge von bis zu 57 t ha-1 erzielen. Aufgrund der starken Korrelation zwischen dem Kaliumgehalt im Blatt und dem Knollenertrag kann zur Überprüfung der Nährstoffversorgung der Kartoffelpflanze eine Blattanalyse herangezogen werden. Eine effiziente und optimale Düngung kann so durchgeführt werden.
Die Kartoffel ist die Kultur mit den höchsten Kaliumentzügen in unseren Anbausystemen. Bei einem Ertrag von 50 t Kartoffeln pro ha werden insgesamt 336 kg K2O ha-1 aufgenommen. 300 kg K2O ha-1 davon werden mit dem Haupternteprodukt abgefahren, 36 kg K2O ha-1 verbleiben mit den Ernterückständen auf dem Feld. Dieser hohe Kaliumentzug muss durch Düngung ersetzt werden. Zu individuellen und ertragsbezogenen Nährstoffentzügen steht der K+S KALI-Nährstoffentzugsrechner zur Verfügung.
In langjährigen Versuchen auf leichten Böden lag die optimale Düngung im Hinblick auf den Knollenertrag im Versuchsmittel bei 300 kg K2O ha-1. Eine Kaliumdüngung von 100 kg K2O ha-1 zeigte im Vergleich zu 200 bzw. 300 kg K2O ha-1 signifikant niedrigere Knollenerträge. Größte Ertragseffekte durch eine ausgewogene Kaliumdüngung konnten auf Böden mit niedrigeren Kalium-Bodengehaltsklassen (A + B) erzielt werden. Dies verdeutlicht anschaulich, wie wichtig die Kaliumversorgung gerade auf solchen Böden ist, um hohe Erträge zu erzielen. Bei normaler Kalium-Bodenversorgung (Klasse C) ist eine Kaliumdüngung von mindestens 250 kg K2O ha-1 zur Erzielung eines optimalen Knollenertrages notwendig.
Doch nicht jeder Kaliumdünger ist für eine qualitätsorientierte Kartoffelproduktion geeignet. Eine chloridische Kaliumdüngung hat den Nachteil, dass die Pflanze zu viel Chlorid aufnimmt und somit die Stärkeableitung und -einlagerung in die Knolle beeinträchtigt. Im Patentkali liegt Kalium in sulfatischer Form vor und ist daher optimal für eine qualitätsbewusste Kaliumdüngung geeignet. Zudem enthält Patentkali Magnesium und Schwefel – zwei weitere Nährstoffe, die Einfluss auf hohe Erträge und beste Qualität haben. Im Vergleich zu der Patentkali-Düngung brachte die Anwendung von chloridischem Kalium in Form von Korn-Kali eine drastische Verminderung des Stärkegehaltes um ca. zwei Prozentpunkte. Bei der Produktion von Industrie- bzw. Stärkekartoffeln ist deshalb die Verwendung einer sulfatischen Kaliumform zu bevorzugen, um bessere Ertragserlöse zu erzielen.
Ein Vergleich unterschiedlicher Applikationszeitpunkte der Kaliumdüngung zeigt, dass eine Kaliumdüngung „vor dem Pflanzen“ im Vergleich zur Düngung „nach dem Pflanzen“ vorteilhafter ist. Die Ursache dafür dürfte die bessere Platzierung der Nährstoffe zur Mutterknolle sein, da die Nährstoffe in unmittelbarer Nähe der Wurzelbildung vorliegen.
Die Stärkeerträge pro ha orientieren sich weniger an den Stärkegehalten der Knollen, sondern sind vielmehr eng mit den Knollenerträgen pro ha verknüpft. Feldversuche belegen auch hier, dass eine Kaliumdüngung von mindestens 250 kg K2O ha-1 notwendig ist, um optimale Stärkeerträge zu erzielen. Eine normale Bodenversorgung (Klasse C) ist dabei Voraussetzung.
Die Höhe des Stärkegehaltes in den Knollen wird durch die Kaliumdüngung unter Berücksichtigung der Bodenvorräte unterschiedlich beeinflusst. Während bei hoher Bodenversorgung schon die Kaliumgabe von 100 kg K2O ha-1 zur Verminderung des Stärkegehaltes führt, können im Versuch bei geringerer Bodenversorgung Stärkegehaltssteigerungen bis zur Gabe von 200 kg K2O ha-1 festgestellt werden. Im Durchschnitt ist davon auszugehen, dass bei einer normalen Kalium-Bodenversorgung (Klasse C) der Stärkegehalt in der Knolle bis zu einer Kaliumgabe von 150 kg K2O ha-1 positiv beeinflusst wird. Eine Bemessung der Kaliumgabe allein nach dem Stärkegehalt der Knollen hat negative Auswirkungen, sowohl auf den Knollen-, als auch den Stärkeertrag pro ha. Dies wird besonders bei der Verrechnung der Versuchsergebnisse 1995 nach den derzeit gültigen Bezahlungsmodalitäten im Stärkekartoffelanbau deutlich.
Der Geldrohertrag im Stärkekartoffelanbau orientiert sich nicht maßgeblich an dem Stärkegehalt der Knolle, sondern entwickelt sich eindeutig analog des Knollenmasse-Ertrages. Die mit sinkendem Stärkegehalt rückläufigen Auszahlungspreise werden durch die positiven Entwicklungen der Stärkeerträge deutlich überkompensiert.
Um optimale Betriebsergebnisse im Stärke- und Industriekartoffelanbau zu erzielen, muss sich die Kaliumdüngung am Kaliumbedarf der Kartoffel orientieren. Nur so können optimale Knollenerträge erzielt werden. Darüber hinaus hat der Grundnährstoff Kalium wesentlichen Einfluss auf die äußere und innere Qualität der Kartoffelknolle.
Dr. Bernd Ditschar, Kassel, und Dr. Dietrich Lampe, Nordstemmen, Deutschland
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