27. Oktober 2009
Aktuell werden bei der Anlieferung von Verarbeitungskartoffeln ein hohes Unterwassergewicht bzw. ein hoher Stärkegehalt und sehr häufig ein hoher Anteil schwarzfleckiger Kartoffeln festgestellt. Beide Qualitätsmerkmale haben wesentlichen Einfluss auf die Marktfähigkeit und den Auszahlungspreis bei der Vermarktung von Verarbeitungskartoffeln. Sehr stark schwarzfleckige Partien können bei der Eingangskontrolle sogar abgelehnt werden. Diese Qualitätsminderungen haben ihre Ursache einerseits in den Anbaubedingungen des Jahres 2009 und andererseits in anbautechnischen Maßnahmen.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Kartoffeln ist der Stärkegehalt. Während bei Stärkekartoffeln hohe Gehalte durch die Qualitätsbezahlung honoriert werden, sind für Verarbeitungskartoffeln (Pommes frites- oder Chipskartoffeln) mittlere Stärkegehalte am besten geeignet. Bei Speisekartoffeln führen hohe Stärkegehalte zum Zerfallen der Kartoffeln während des Kochvorgangs.
In diesem Jahr haben sich im Wesentlichen zwei Faktoren auf den Stärkegehalt der Kartoffeln ausgewirkt. Dies waren zum Einen die Jahreswitterung, die durch viele Sonnenscheinstunden hohe Photosyntheseleistungen ermöglichte sowie die Trockenheit zum Ende der Vegetationsperiode. Beides hat zu den hohen Trockenmassegehalten und damit zu den hohen Stärkegehalten zum Zeitpunkt der Ernte geführt. Zum Anderen hat die Kaliumversorgung einen wesentlichen Einfluss auf den Stärkegehalt. Mit einer mäßigen Kaliumversorgung werden bereits höchste Stärkegehalte erzielt. Steigert man nun die Kaliumdüngung, so geht der Stärkegehalt zurück.
Neben dem Stärkegehalt kann auch die Anfälligkeit von Kartoffeln gegenüber Schwarzfleckigkeit durch die Kaliumdüngung reduziert werden. Bei der Schwarzfleckigkeit tritt durch Verletzungen, beispielsweise Druckbelastung während des Ernteprozesses, Sauerstoff in die Knolle ein und kann so phenolische Aminosäuren oxidieren. Diese Oxidationen sind die Ursache für die Verfärbung in der Knolle. Ascorbinsäure kann aufgrund ihrer chemisch reduzierenden Wirkung auf die oxidierten Abbauprodukte solchen Verfärbungen entgegenwirken. Der Ascorbinsäuregehalt lässt sich durch die Kaliumdüngung gut steigern, wodurch der Schwarzfleckigkeit gezielt entgegengewirkt werden kann.
| K2O-Düngung | Trockenmasse (%) | Stärkegehalt (%) | Ascorbinsäure (mg/100 g FM) | Oxidatives Potential (EE 445 nm) |
|---|---|---|---|---|
| ohne K2O | 30,5 | 24,3 | 17,4 | 0,457 |
| 80 K2O/ha | 30,1 | 24,5 | 18,9 | 0,318 |
| 160 K2O/ha | 28,0 | 22,6 | 20,0 | 0,818 |
| 240 K2O/ha | 28,2 | 22,4 | 21,2 | 0,255 |
Die Kaliumversorgung ist ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Einflussnahme nicht nur auf den Ertrag sondern auch auf die Kartoffelqualität. Durch Feldversuche konnte gezeigt werden, dass mit einer Kaliumdüngung in Höhe von 300 kg K2O je ha der Anteil schwarzfleckiger Knollen deutlich zurück ging. Aufschluss auf die Frage, ob die Kaliumversorgung ausreichend war kann eine Analyse des Erntegutes bringen. Liegt der Kaliumgehalt unter 2,5 % K, war die Kaliumversorgung zum Erreichen optimaler Qualitäten nicht ausreichend (Abbildung).

Einfluss der Kaliumdüngung auf Schwarzfleckigkeitsindex und Kaliumgehalt der Knollen, Langwedel 1995-2001
Eine ausgewogene Nährstoffversorgung sichert neben dem Ertrag auch die Qualität der Kartoffeln. Mit Kali wird nicht nur der Stärke- und Ascorbinsäuregehalt beeinflusst sondern auch der Gehalt an weiteren Inhaltsstoffen wie z.B. reduzierende Zucker, die sich auf die Verarbeitungsqualität der Kartoffeln auswirken. Je nach Bodenversorgung und Ertragsniveau kann mit einer Gabe in Höhe von 300 kg K2O der für gute Qualitäten notwendige Gehalt von 2,5% K in den Knollen erreicht werden. Neben Kalium kann auch mit Magnesium und Bor auf die Qualität der Knolle, insbesondere auf die Schwarzfleckigkeit, positiv eingewirkt werden. Hierzu können Magnesium und Bor bei Bedarf während der Vegetationsperiode als Blattdünger appliziert werden. Eine ausgewogene, d.h. hinsichtlich Ertrag und Qualität optimierte Düngung ist somit entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Kartoffelanbaus. Einsparungen bei der Düngung, wie sie in diesem Anbaujahr teilweise erfolgten, können auch kurzfristig aufgrund der daraus resultierenden Qualitätsminderungen die Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus gefährden.
Dr. Hans-Peter König

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