12. April 2011
Jagd- und Waldschutzgesetz fordern eine Anpassung der Schalenwildbestände an die Landeskultur und die Landschaft. Dies soll ausdrücklich auch durch Maßnahmen zur Biotopgestaltung und -pflege erleichtert werden (Wildhege). Der gesetzliche Auftrag dazu obliegt sowohl dem Jäger als auch dem Landwirt. Der Schwerpunkt der Hegemaßnahmen ist dabei in der Verbesserung des natürlichen Nahrungsangebotes in Wald und Feld zu sehen. Der Staat fördert solche Maßnahmen über verschiedene Programme.
Die Schaffung von geeigneten Wildäsungsflächen hat mit Wildfütterung nur wenig beziehungsweise nichts zu tun. Wildäsungsflächen dienen vielmehr der ganzjährigen Verbesserung des natürlichen Nahrungsangebotes. Bei der richtigen Standortwahl, Anlage, Pflege und Nährstoffversorgung bieten sie dem Schalenwild hochwertige, artgerechte Äsung.
(Foto: fotolia)
Gerade Rehwild sucht während der Herbst- und Wintermonate, in denen die Feldflur weitgehend deckungslos und äsungsarm ist, gerne Unterschlupf im nächstgelegenen Wald. Dort erhöht sich dadurch logischerweise die Schalenwilddichte während des Winterhalbjahres teilweise so drastisch, dass erhebliche Verbissschäden bis zum Frühjahr die Folge sind. Ob nun im Wald oder außerhalb: Wildäsungsflächen sind allemal eine Art Ablenkungsfütterung für Schalenwild und somit eine geeignete Vorsorgemaßnahme gegen Wildverbiss.
| Beispiele für Düngemittel |
Nährstoff- (in %) |
Aufwand- menge** |
Wirkungsweise | Bemerkungen*** |
|---|---|---|---|---|
| NPK Volldünger blau | 12 N, 12 P2O5, 17 K2O (sulfatisch) | 0,2-0,4 t ha-1 | relativ schnell | enthält zusätzlich Mg und S |
| NPK Volldünger rot | 13 N, 13 P2O5, 21 K2O (chloridisch) | 0,2-0,4 t ha-1 | schnell | enthält in der Regel kein Mg und S |
| Dolophos 15 bzw. 26 | 15 bzw. 26 P2O5 | 0,3-0,5 t ha-1 | langsam | hoher Kalkanteil, bei pH < 5 |
| Kohlensaurer (Mg-)Kalk | ca. 50 CaO | ca. 1 t ha-1 | relativ langsam | auf Wunsch mit Mg |
| Thomaskalk 4 | 45 CaO, 4 P2O5, 3 MgO | 0,5-1 t ha-1 | mittel | reichlich Spurennährstoffe |
| Magnesia-Kainit® | 11 K2O, 5 MgO, 20 Na, 4 S | 0,5 t ha-1 | schnell | jährliche Ausbringung im Frühjahr |
| Korn-Kali® 40/6 | 40 K2O, 6 MgO, 3 Na, 4 S | 0,2-0,4 t ha-1 | relativ schnell | bei schlechtem K-Gehalt im Boden (<10 mg pro 100 g) |
| Kalkammonsalpeter (KAS) | 27 N | 0,1-0,2 t ha-1 | schnell | nur im Frühjahr |
| Kalkstickstoff (Perlka) | 20 N | 0,2-0,3 t ha-1 | langsam | zur Neuanlage, mit phytosanitärer Wirkung gegen Schädlinge und Unkraut |
Beachte: 0,1t Düngemittel pro Hektar (t ha-1) entspricht 10 kg pro 1000 qm oder 1 kg pro 100 qm.
* N = Stickstoff, P2O5 = Phosphor, K2O = Kalium, MgO = Magnesium, S = Schwefel, Ca = Kalk, Na = Natrium
** Aufwandmenge z.B. 0,2 t ha-1 = 200 kg eines Düngers / 10000 qm = 20 kg / 1000 qm = 2 kg / 100 qm
*** davon sind folgende Dünger im ökologischen Landbau bzw. im Kulturlandschaftsprogramm zugelassen: Magnesia-Kainit®, Dolophos 15 bzw. 26, Kohlensaurer (Mg-)Kalk
Bei der Neuanlage von Wildäsungsflächen spielt auch die Düngung eine wesentliche Rolle. Entscheidend ist, die richtigen Düngemittel (siehe Tabelle) zum richtigen Zeitpunkt mit der passenden Aufwandmenge einzusetzen. Grundsätzlich sollten aber Mineraldünger nur in verhaltener Menge gestreut werden. Schließlich sind Wildäsungsflächen keine landwirtschaftlichen Produktionsflächen, die Höchsterträge bringen müssten. Wirtschaftsdünger wie Gülle, Jauche oder Mist sind für Wildäsungsflächen nicht zu empfehlen.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Gesichtspunkte bei der Auswahl des richtigen Düngemittels. So gehören alle unsere Schalenwildarten (wichtigster Vertreter davon bei uns ist das Rehwild) genauso wie das Rindvieh zu den Wiederkäuern. Ein besonders wichtiges Nährelement in der Ernährungsphysiologie von Wiederkäuern ist das Natrium (Na). Die Ansicht allerdings, ein Reh benötige Natrium für den Haarwechsel, ist ein Märchen.
Dagegen ist richtig, dass Natriummangel zu struppigem Fell und Haarausfall führen kann. Dies wäre wenigstens ein weithin sichtbares Merkmal dafür, dass in einem Wildtierkörper der Mineralstoffhaushalt womöglich nicht in Ordnung ist. Akuter Na-Mangel führt sogar zu Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit bei weiblichen Rehen. All das gesagte gilt jedoch auch für Rotwild, Damwild und Mufflon sowie für Wildgatter.
Nur wenige Pflanzenarten sind in der Lage, Natrium in ausreichenden Mengen aufzunehmen und einzulagern. Aber dies funktioniert auch nur dann, wenn genügend Natrium im Boden enthalten ist (5-8 mg pro 100 g Boden). Im Allgemeinen kann der Boden Natrium über einen längeren Zeitraum nicht speichern. Das heißt letztendlich, dass Natrium nur in ausreichendem Maße in die Pflanzen gelangt, wenn man sie düngt. Wo Lecksteine für das Wild ausgelegt werden, kann wenigstens ein Teil des Natriumbedarfes von wiederkäuenden Wildtieren auf diese Weise gedeckt werden, macht jedoch die Na-Düngung nicht überflüssig.
In allen gängigen Wildäsungsmischungen sind Na-liebende Pflanzenarten enthalten. Dazu gehören auch zum Beispiel Weißklee und Luzerne. Aus diesem Grund ist es ratsam, jede Fläche dieser Art mit Natrium zu düngen. Der einzige Mineraldünger mit einem hohen Na-Gehalt (20 %) ist Magnesia-Kainit®. Er ist auch im ökologischen Anbau und auf Kultur-Landschafts-Programm-(KuLaP)-Flächen zugelassen. Die Aufwandmenge liegt bei 500 bis 800 kg ha-1 (entspricht 5-8 kg pro 100 m2) pro Jahr. Es ist also auch die jährliche Düngung mit diesem Dünger empfehlenswert.
Jahrzehntelange Erkenntnisse aus Freilandversuchen haben immer wieder gezeigt, dass mit Magnesia-Kainit® gedüngte Flächen vom Wild bevorzugt angenommen werden, weil dessen Aufwuchs schlicht und ergreifend schmackhafter ist. Dies liegt an der mineralischen Zusammensetzung dieses Düngers. Magnesia-Kainit® ist ein natürliches Rohsalz aus mehreren Salzkomponenten (Natriumchlorid, Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat). Das Natriumchlorid (Kochsalz) wird in diesem Zusammenhang auch gerne als „das Salz in der Suppe“ angesehen.
Was ist bei der Neuanlage einer Wildäsungsfläche zu beachten?

Düngungsempfehlungen für einzelne Kulturen
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