Auf seinem Versuchsstandort in Diendorf, ca. 60 km westlich von Wien (Ö) untersucht ein Landwirt bereits über viele Jahre die Auswirkungen einer Bittersalz-Blattdüngung zu Winterweizen und Zuckerrübe. Tatsächlich kommt man bei unterschiedlichen Applikationsterminen bzw. Aufwandmengen zu interessanten Ergebnissen. Ein Erfahrungsbericht mit Magnesium aus einem Trockengebiet Österreichs.
Die Magnesiumversorgung der meisten landwirtschaftlich genutzten Ackerböden ist in Österreich als ausreichend bis sehr gut (Stufe C-E) einzustufen. Das geht aus den zahlreichen Bodenuntersuchungen der einzelnen Landwirtschaftskammern aus den letzten Jahren hervor. Daher wird auch auf eine Entzugsdüngung mit Magnesium bei vielen österreichischen Betrieben nur wenig Wert gelegt. Auch die Offizialberatung rät von einer gezielten Mg-Düngung inzwischen meist ab. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, bleibt allerdings abzuwarten.
Für die Beurteilung des Versorgungsstatus mit Magnesium sollten nämlich einige Besonderheiten bei Aufnahme und Funktion in der Pflanze bekannt sein.
Mg-Mangel in Gerste (links) und Winterweizen mit Mg-Blattdüngung (rechts)
Solange sich Sämlinge aus dem Magnesiumvorrat im Samenkorn ernähren können, bilden sie selbst auf reinem Sandsubstrat grüne Blätter aus. Dafür muss von der Mutterpflanze vorher ausreichend Magnesium eingelagert worden sein. Diese Einlagerung läuft zwar immer ab, kann aber bei unzureichender Versorgung Ertrag kosten.
Wurzeln können einige Nährstoffe durch Ausscheidungen aktiv aufschließen und dadurch verfügbar machen. Bei Magnesium geht das nicht. Hier kann nur der Teil aufgenommen werden, der über das Bodenwasser direkt an die Wurzel heranfließt. Da Pflanzen zudem nicht in der Lage sind, nennenswerte Mengen an Magnesium über Bedarf aufzunehmen, sind sie während des Wachstums auf eine kontinuierliche Zufuhr angewiesen. Zudem fließt Wasser, welches die Pflanze über die Wurzeln aufnimmt und verdunstet, umso langsamer nach, je tonhaltiger ein Boden ist. Trockenperioden wirken sich so zuerst auf die Magnesium-Versorgung aus, während Phosphat und Kalium zunächst weiterhin aktiv aufgenommen werden.
Die Notwendigkeit des Magnesiums als unentbehrlicher Baustein für das Blattgrün ist allgemein bekannt. Doch es ist als Metall in der Pflanze noch an mehreren wichtigen chemischen Umsetzungen beteiligt. Eine davon ist die Bindung von Kohlendioxid und somit der Aufbau von Kohlenhydraten. Diese dienen als Gerüstbaumaterial genauso wie als Energieträger in Form von Zucker und Stärke. Allein schon für die Wurzelausbildung müssen diese Kohlenhydrate nicht nur oberirdisch hergestellt, sondern über spezielle Transportkanäle nach unten geleitet werden. Das Gleiche gilt aber auch für die Füllung von Getreidekörnern oder z. B. der Rübenkörper mit Zucker. Und genau hier hat Magnesium eine wesentliche Funktion, ohne die der Transport gar nicht funktionieren würde. Bei einer Unterversorgung gerät er schnell ins Stocken.
Für die Praxis bedeutet eine Unterversorgung mit Magnesium während des vegetativen Wachstums auch, dass die Wurzelausbildung geringer ausfällt, weil die Anlieferung der hierfür nötigen Bausteine behindert ist. Das hat gravierende Folgen, da nun weniger Wasser und verbunden damit auch weniger Nährstoffe aufgenommen werden können. Die Pflanzen werden dadurch noch empfindlicher gegenüber Trockenstress! Außerdem sinkt die Stickstoffausnutzung durch den geringeren Blattgrüngehalt. Weiterhin sind die Blätter viel empfindlicher gegenüber hohen Lichtintensitäten. Magnesiummangelsymptome sind dann wesentlich ausgeprägter, da die Zellen schneller zerstört werden.
Die Düngung muss also einen stets optimalen Magnesiumgehalt in den Blättern sicherstellen. Während des Wachstums gelingt das durch ausreichende Versorgung über den Boden und Vermeidung von Nährstoffantagonismen. Dafür muss das Kalium : Magnesiumverhältnis kleiner 3 : 1 gehalten werden oder bei betonter Stickstoffernährung über die Ammoniumform besonders auf ausreichend Magnesium im Boden geachtet werden.
Neue, weltweite Untersuchungen zeigen, dass unter trockenen Bedingungen eine Blattdüngung mit Magnesium bei allen Kulturen stets höhere Erträge bringt. Zunächst erstaunt, dass dieser Effekt unabhängig von der Magnesiumversorgung des Bodens ist, also auch bei hoher Bodenversorgung auftritt. Die Ursache hierfür liegt darin, dass Trockenheit in der Regel immer zu einer Magnesiumunterversorgung führt. Bei Getreide ist das Stadium Ährenschieben hierfür besonders kritisch. Pflanzen beginnen ab der Blüte mit der Abreifephase. Nun müssen Körner mit Stärke gefüllt oder Früchte ausgebildet werden. Dazu wird Magnesium aus den noch grünen Pflanzenteilen abgezogen und als Vorrat für die neue Keimpflanze eingelagert, oder für die Ableitung der Kohlenhydrate in die Früchte verwendet. Bei Getreide stammen zum Beispiel etwa 60 Prozent des Magnesiums in den Körnern aus dieser pflanzeninternen Umlagerung.
Nur durch eine Blattdüngung mit rein wasserlöslichem Magnesium vor Beginn der Abreifephase kann sowohl eine Unterversorgung, als auch der Magnesiumabzug aus den Blättern ausgeglichen werden, da die Pflanze ab der Blüte nicht mehr wächst und daher aus dem Boden so gut wie kein Magnesium mehr aufnimmt.
In Niederösterreich wurden auf einem mittelschweren, tiefgründigen, trockenen bis mäßig feuchten Boden mit 3,2% Humus und pH 6,8 Magnesiumsulfat (Bittersalz) in Form von EPSO Top als Blattdünger eingesetzt. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr liegt bei ca. 550 mm.
Bei verschiedenen Mahlweizen wurden in langjährigen Versuchen die höchsten Ertragszuwächse und Qualitätsparameter wie Proteingehalt, Hektolitergewicht etc. bei einer einmaligen Applikation mit 25 kg Magnesiumsulfat im Stadium 32. (= 2-Knotenstadium) erzielt. Sowohl ein früherer Einsatzzeitpunkt als auch eine spätere Spritzung zum Ährenschieben sind vergleichsweise weniger ertrags- bzw. qualitätssteigernd. Vor allem in der Schossphase muss das Getreide ständig Magnesium aufnehmen (können), damit die Umlagerung über das Fahnenblatt zur Kornfüllung funktioniert. Dass diese Nährstoffumlagerung bei Mg (und auch bei S und Spurenelementen) von der Ganzpflanze ins Fahnenblatt bzw. ins Getreidekorn stattfindet, konnte anhand von Blattanalysen eindeutig nachgewiesen werden.
Mehrertrag durch EPSO Top bei Winterweizen, Winterweizen-Versuch Johann Hieger, Diendorf 1
| Variante | kg ha-1 | Datum | Ertrag t ha-1 | Ertrag rel. | K2O Gehalt in % | Protein % | Sedi | Kleber | hl |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 Parzelle | - | - | 8,5 | 100 | 14,8 | 11,2 | 34 | 21,2 | 76,5 |
| EPSO Top 16/13 | 15 | 26.5. | 8,7 | 103 | 14,3 | 11,5 | 36 | 21,3 | 77,7 |
| EPSO Top 16/13 | 15 | 17.4. | 9,1 | 108 | 14,4 | 11,9 | 39 | 22,3 | 78,8 |
| EPSO Top 16/13 | 25 | 30.4. | 9,3 | 110 | 14,1 | 12,3 | 41 | 22,9 | 78,9 |
Quelle: M. Schuh, Pflug & Spaten, 1/2010.
Über Jahre erfolgreich und bewährt sind auch die Versuchsauswertungen der Magnesiumsulfat-Blattdüngung mit Bor zur Zuckerrübe. Eine zweimalige Applikation mit je 25 kg ha-1 EPSO Microtop zum Reihenschluss und bei der ersten Cercospora Spritzung steigert verlässlich den Rübenertrag und erhöht die Zuckermenge. Speziell in den niederschlagsarmen Perioden dürfte dabei die Bordüngung das „Zünglein an der Waage“ sein.
Die Mg-Blattdüngung mit Magnesiumsulfat (EPSO-Produkte) erfreut sich in Österreich immer größerer Beliebtheit. Auf diversen Feldtagen und Versuchsbesichtigungen informieren sich immer mehr Landwirte über die Wirkung und den Mehrnutzen dieser pflanzenbaulichen Maßnahme. Der Erfolg sollte ihnen Recht geben.
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