
12. August 2009
Kalium wird im Boden an Tonminerale gebunden. Diese weisen stets eine gewisse Restfixierung auf. Bei guter Kaliumversorgung wirkt sich diese Restfixierung aber nicht mehr negativ auf die Erträge aus. Sie ist sogar die Voraussetzung dafür, dass Kalium auf mittleren und schweren Böden nicht mehr ausgewaschen wird und somit eine Stoppel-/Herbstdüngung erfolgreich durchgeführt werden kann. Bei Düngeverzicht jedoch steht den Pflanzen nur noch das in den Tonmineralen fester gebundene Kalium zur Verfügung und die Bestände laufen in den Mangel hinein.
Kaliumfixierende Tonminerale besitzen denselben schichtförmigen Aufbau wie Glimmerplättchen. Die einzelnen Schichten dieser Minerale werden durch Kalium zusammengehalten. Kaliumfixierung entsteht, wenn die Zwischenschichten an Kalium entleert und dadurch aufgeweitet sind. Solche Minerale sind vorwiegend in der letzten Nacheiszeit in den großen Flüssen durch „Kaliumauslaugung“ entstanden und haben sich in den Auenböden abgelagert. Ein Teil von ihnen wurde aus den nacheiszeitlichen Schotterfluren ausgeweht und in den Lößlehmböden mit abgelagert. Gelangt erneut Kalium in die Schichten, dann schließen sich diese wieder und das Kalium ist nicht mehr pflanzenverfügbar fixiert. Die Höhe der Kaliumfixierung hängt von der jeweiligen Anzahl aufgeweiteter Tonminerale im Gesamttongehalt ab. Die Restfixierung kommt von den verwitterten Außenrändern der Minerale an denen der Schließmechanismus nur noch teilweise funktioniert.
Kaliumfixierung entsteht aber auch durch eine längere, nutzungsbedingte Kaliumverarmung der Böden oder gänzlichen Düngeverzicht. Besonders empfindlich auf Düngungsverzicht reagieren ehemalige Wiesenumbruchsflächen. Vor allem der anspruchsvolle Mais, aber auch jede andere kaliumintensive Kultur, zeigt dann Kaliummangelsymptome.
Kaliummangel in den Isarauen (Wörth 2009): Unregelmäßiger Wuchs und Absterben der unteren Blätter von der Spitze her sind typische Kennzeichen von Kaliummangel.
Einen ersten Anhaltspunkt für die Düngung kann eine spezielle Bodenuntersuchung auf Kaliumfixierung geben. Zur Interpretation des Ergebnisses muss man wissen, dass eine schwache „Restfixierung“ bis zu etwa 15 mg K/100 g Boden für Ackerböden normal ist und keinen Einfluss auf den Ertrag hat.
Ab Fixierungswerten von 15 bis 30 mg K/100 g Boden steigt die Gefahr eines verdeckten Kaliummangels an. Je höher diese Werte sind, desto schneller sinken die Kaliumgehalte im Boden ab, wenn ausschließlich auf Nährstoffentzug gedüngt wird. Ab etwa 30 mg K/100 g Boden liegt sichtbarer Kaliummangel vor. Kaliumfixierungswerte über 50 mg K/100 g Boden verursachen einen sehr starken Mangel, der nur mit besonderen Aufdüngungsmaßnahmen zu beseitigen ist.
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Kaliumdüngung zu fixierenden Standorten |
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| Sichtbarer Kaliummangel Fixierung v. 30-50 mg K / 100 g B. |
Starker - sehr starker Mangel Fixierung über 50 mg K / 100 g B. |
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| 1. Gabe | 2. Gabe | 1. Gabe | 2. Gabe | |
| 1. Wintergetreide | vor der Saat* 200 |
Winterausgang, zeitiges Frühjahr 150 |
vor der Saat* 300-400 |
Winterausgang, zeitiges Frühjahr 200 halbiert im Abst. v. 4 Wochen Stad.: 25-29/30 |
| 2. Sommergetreide | vor der Saat* 200 |
vor dem Schossen 150 Stad.: 25-29 |
vor der Saat* 300-400 |
3-4 Blattstadium 150 Stad.: 25-29 |
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3. Kartoffeln |
v. Legen** 300 |
v. d. letzten Anhäufeln 100-150 |
v. Legen** 400 |
v. d. letzten Anhäufeln 150-200 |
| 4. Zucker- und Futterrüben | v. d. Saat** 400 |
Im 6-8 Blattstadium 150-200 |
v. d. Saat** 500 |
Im 6-8 Blattstadium 200 |
| 5. Mais | v. d. Saat 300 |
als Reihendüngung 100-200 |
v. d. Saat 400 |
als Reihendüngung 200 |
Zahlen in der Tabelle in Reinkalium = kg K2O ha-1
* = unmittelbar vorm Drillen
** = vor der letzten Feldbearbeitung
Auf bereits in früheren Jahren aufgedüngten Fixierungsstandorten und anschließender normaler Kaliumdüngung ist ein erneuter Anstieg der Kaliumfixierung immer möglich. Maisbestände haben dann ein unregelmäßiges, „gerupftes“ Aussehen mit abwechselnd kleinen und großen Pflanzen im Bestand.
Unter Beachtung einiger Besonderheiten sind Standorte mit Kaliumfixierungseigenschaften dennoch recht gut zu führen. So sollten humose, zur Austrocknung neigende Böden gewalzt werden um die Kaliumnachlieferung durch einen besseren Wasserschluss zu verbessern. Damit nicht unnötig neues, stark fixierendes Unterbodenmaterial hochgepflügt wird, darf die Bodenbearbeitung nicht zu tief erfolgen. Die erste Kaliumdüngung ist grundsätzlich einzuarbeiten um eine optimale Verteilung im Boden zu erreichen. Nur bei sehr hoher Kaliumfixierung ist eine Splittung der Kaliumdüngung in eine Herbst- und Frühjahrsgabe sinnvoll. Durch die Herbstgabe (etwa ein Drittel der Gesamtmenge) werden die Tonminerale zum vorläufigen Kontrahieren gebracht, so dass die Frühjahrsgabe sehr effizient zur Ernährung der Pflanzen zur Verfügung steht. Für die Kaliumeinzeldüngung ist, auch bei guten Magnesiumgehalten im Boden, Korn-Kali zu bevorzugen. Da dieses Magnesium in rein wasserlöslicher Form enthält, steigen mit den Kaliumgehalten zugleich auch die Magnesiumgehalte in der Bodenlösung an. Nur so kann ein zu weites Auseinandergehen des Kalium- /Magnesiumverhältnisses bei hohen Kaliumgaben verhindert und die Magnesiumversorgung sichergestellt werden.
Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gudwin Rühlicke

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