
7. Oktober 2011
2011 war in Süddeutschland so ein Jahr für den Obst- und Weinanbau. Gerade in den klimatisch günstigeren und bevorzugten Lagen für diese wärmeliebenden Dauerkulturen haben heftige Spätfröste in den ersten Maitagen mit Minusgraden bis zu 8° Celsius Winzern und Obstanbauern schwer zu schaffen gemacht.
Natürlich waren vor allem in Nordbayern und Württemberg auch andere landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturen davon mehr oder minder stark betroffen. Doch am schlimmsten erwischte es die Weinrebe entlang der (Fluss)Niederungen, in denen sich bei dieser Wetterlage naturgemäß die Kaltluft zum Morgen hin sammelt. Der Ertragsausfall betrug z.T. fast 100 Prozent, weil nicht nur die Blüte vollkommen erfror, sondern auch die Triebspitzen. Weiter hangaufwärts liegende Rebflächen (etwa ab 50 Meter über Talgrund) waren die Spätfrostschäden deutlich geringer.
Erhebliche Spätfrostschäden gab es auch im Obstbau. Besonders stark betroffen davon war das größte süddeutsche Kirschanbaugebiet in der Fränkischen Schweiz. Die Kirschblüte war ja zu diesem Zeitpunkt schon vorbei, doch die kleinen vorhandenen Fruchtkörper waren noch zu zart, um den deutlichen Minusgraden zu trotzen. Somit erfroren sie bis in die obersten Blattetagen, was ja eigentlich unüblich ist, denn Spätfröste sind meistens Bodenfröste.
Doch in den besagten Maitagen war auch die Luftfeuchtigkeit aufgrund der anhaltenden Trockenheit so gering, dass sich zum Morgen hin kaum ein Tau bilden konnte, der die Pflanzenteile vor dem Frost hätte besser schützen können (Gefrierwärme). Diesen Effekt vom Morgentau macht sich der Pflanzenbauer bzw. Gärtner ja insofern zu Nutzen, indem er bei Spätfrostgefahr grüne Pflanzenteile und Blüten beregnet oder begießt.
Vor solchem Ungemach wie Spätfrostschäden während der Blüte oder danach ist der Winzer und Obstanbauer erst einmal grundsätzlich nie ganz sicher. Man betrachtet dies als Schicksal und höhere Gewalt für einen Produzenten unter freiem Himmel, was einfach hinzunehmen ist.
Es ist richtig: eine solche Art von Schaden lässt sich niemals vollständig vermeiden. Aber vielleicht lassen sich solche Schäden abmildern, indem man eine gezielte Düngung vornimmt. Das hat nichts mit Zauberei zu tun, sondern ist einfach eine vorausschauende Vorsorgemaßnahme und darüber hinaus leicht umsetzbar.
Bekanntlich kann eine so aufgebesserte Kaliumversorgung sehr wohl dazu beitragen, die Frosttoleranz von Pflanzen wesentlich zu erhöhen. Dies gilt nicht nur bei Einwirkung von Dauerfrost oder strengem Frost bzw. bei Kahlfrösten während der Wintermonate, sondern ebenso für Spätfröste. Je besser das Kaliumangebot für die überwinternden Pflanzen im Herbst ist, desto weniger frostempfindlich sind sie in den Folgemonaten.
Grundsätzlich sind hierfür alle Kali-Einzeldünger geeignet, bei Weinrebe und im Obstbau jedoch aufgrund deren Chloridempfindlichkeit vor allem sulfatisch gebundene Kaliumdünger wie KALISOP® (= reines Kaliumsulfat) oder Patentkali®. Die Düngermenge ist weitgehend davon abhängig, ob flächig gedüngt oder wie z.B. im Obstbau Einzelbaumdüngung praktiziert wird. Um die Frostresistenz von Kulturen deutlich anzuheben, brauchen sie etwa 100 kg Kalium pro Hektar jetzt im Herbst.
Und damit zurück zur Kirsche, die im Jahr 2011 von den genannten Spätfrösten im Mai besonders stark gebeutelt worden ist. Da die Kirsche als äußerst chloridempfindlich gilt und gleichzeitig aber auch ein hohes Schwefelbedürfnis aufweist, sind hier KALISOP® (50 % K2O und 18 % Schwefel) oder Patentkali® (30 % K2O, 10 % MgO, 17 % Schwefel) die optimalen Kaliumdünger (s. Grafik). Die Schwefelgehalte in Kirschblättern sollten etwa so hoch sein wie die von Magnesium (0,3 – 0,5 %).
Zur Einzelbaumdüngung von Obstbäumen mit dem Patentkali® gibt man je nach Baumkronendurchmesser zwischen 350 g (entspricht 100 g Kalium pro 10 m²) und 3500 g (entspricht 100 g Kalium pro 100 q²). Ob die Kaliumversorgung z.B. bei der Kirsche in Ordnung ist, kann man ebenfalls am besten jetzt im Spätsommer an den noch grünen Blättern feststellen. Das gleiche gilt für die Magnesiumversorgung (siehe Abbildungen).
Kirschblätter mit Kaliummangel (links) und Kirschblatt mit Magnesiummangel (rechts)
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Karl-Heinz Neuner

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