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27. Mai 2011

Tipps vom Düngerprofi im Frühsommer 2011: Bormangel an Sonnenblumen

Die in weiten Teilen Bayerns und Thüringens seit Wochen andauernde Trockenheit hat viele negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Trotz hoher Winterfeuchtigkeit leiden inzwischen viele Kulturarten ganz erheblich unter der Trockenheit. Die Trockenschäden sind, vor allem in den Winterungen, vielerorts längst deutlich sichtbar. Die Bestände wachsen scheinbar rückwärts. Jeder Tag, der jetzt ohne nennenswerten Niederschlag vorüber geht, reduziert das Ertragspotential der Pflanzenbestände.

 

In solchen Trockenphasen, wie man sie derzeit erlebt, ist Bormangel weit verbreitet. Ist er zunächst nur latent vorhanden, bleibt er möglicherweise unbemerkt. Bei anhaltender Trockenheit verwandelt sich dieser jedoch schnell in einen akuten Bormangel.

 

Genau das ist in vielen Sonnenblumenbeständen passiert. Diese Kultur hat naturgemäß schon einen sehr hohen Borbedarf, der vergleichbar mit dem Borbedarf von Hackfrüchten ist. Kommen dann noch witterungs- und standortbedingte Verfügbarkeitsengpässe dazu, wird Bor bei der Sonneblume rasch zu einem der begrenzenden Wachstumsfaktoren.

Foto: Visuplant 2007 (www.tll.de), Prof. Bergmann

Foto: Visuplant 2007 (www.tll.de), Prof. Bergmann

Foto: Visuplant 2007 (www.tll.de), Prof. Bergmann

Bormangel an Sonnenblumen erfasst Spitzenblätter, jüngere bis mittlere Blätter, führt teilweise zum Absterben der Terminalknospe sowie zu Blattrand- und Inneblattnekrosen (Fotos: Visuplant 2007 (www.tll.de), Prof. Bergmann)

 

Die Gefahr von Bormangel ist hauptsächlich auf basischen Böden mit über 10 % freiem Kalk (pH-Wert 8) sowie auf leichten und flachgründigen Böden mit einem hohen Sandanteil gegeben. Alle Faktoren, die das Wurzelwachstum und die Wurzelphysiologie in irgendeiner Weise negativ beeinflussen, können zugleich einen Bormangel bedingen.

 

Ist der Bormangel schon auffällig gut sichtbar, lässt er sich im selben Jahr des Auftretens meist nicht mehr beheben. Denn Bormangel erfasst den Leittrieb bzw. die gesamte Vegetationsspitze einer Pflanze, welche logischerweise für die Fortentwicklung einer Pflanze unabdingbar ist.

 

Um den Schaden zu begrenzen, ist eine Blattdüngung trotzdem ratsam, aber nicht unbedingt eine Garantie dafür, dass sich bereits gut sichtbarer Bormangel noch beseitigen lässt. Die Ertragsspitze ist da allemal schon verloren. Analog zu Bor ist es in einer Trockenphase, wie sie momentan andauert, ratsam, ebenfalls eine Blattdüngung mit Mangan durchzuführen. Denn Mangan ist bei Trockenheit zumindest temporär nicht pflanzenverfügbar und ertragsbegrenzend. Im Gegensatz zu Bormangel lässt sich Manganmangel auch jetzt noch über eine Blattdüngung weitestgehend beheben.

 

Für eine Blattdüngung zu diesem Zweck eignet sich besonders EPSO Microtop, ein Bittersalz mit Bor (0,9 %) und Mangan (1 %). Am besten bringt man in solchen akuten Fällen diesen Blattdünger separat aus, um höhere Aufwandmengen ausbringen zu können. Dazu benötigt man für eine Applikation 25 kg ha-1 EPSO Microtop in einer Konzentration von 5 kg pro 100 Liter Wasser und wiederholt diese Maßnahme nach etwa 14 Tagen.

 

Eine Behebung von Bormangel ist gleichzeitig eine Vorsorgemaßnahme gegen Botrytisbefall und andere Sekundärinfektionen, da Bormangel einen Assimilatstau verursachen kann, der einer Sekundärinfektion förderlich ist. Daher ist die Blattdüngung mit EPSO Microtop zur Zeit hocheffektiv, auch bei anderen Kulturarten mit hohem Borbedarf bei denen eine Vorsorgemaßnahme jetzt noch sinnvoll ist (beispielsweise Zuckerrübe, Kartoffel, Ackerbohne, Mais und Weinrebe).

 

 

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Karl-Heinz Neuner

 

 

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