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23. November 2010

Kalidüngung mit Wirtschaftsdüngern – was ist wirklich drin?

Landwirtschaftliche Flächen können ihr optimales Ertragspotential nur mit einer entsprechenden Düngung ausschöpfen. Düngemittel wiederum haben ihren Preis. Das zwingt zum möglichst effektiven Einsatz. Für Betriebe mit Tierhaltung bedeutet das zunächst, die vorhandenen Wirtschaftsdünger mit dem größten Nutzeffekt auszubringen. Neben dem Nährstoffbedarf des Bodens sollten dazu auch die in den organischen Düngern enthaltenen Nährstoffe bekannt sein.

 

In Brandenburg mit überwiegend leichten Böden und einem hohen Anteil an Grünland stehen den Tierbeständen entsprechend vor allem Rindergülle und Rinderdung zur Verfügung. Um die mit den Wirtschaftsdüngern ausgebrachten Nährstoffe einzuschätzen, bedient man sich überwiegend vorhandener Richtwerte. Das ist auch nach der gültigen Düngeverordnung erlaubt, welche die maximal einzusetzenden Stickstoff- und unter bestimmten Voraussetzungen auch Phosphormengen begrenzt.

 

Wie die durch das Labor des LKV Brandenburg 2009 untersuchten Proben dieser Wirtschaftsdünger zeigen, können insbesondere beim K-Gehalt der organischen Dünger jedoch erhebliche Unterschreitungen im Vergleich zu den gültigen Richtwerten auftreten (Tabelle 1).

 

Tabelle 1:
Vergleich: Proben von Wirtschaftsdüngern am Beispiel von Rindergülle und Rinderdung vs. offizielle Richtwerte der Düngemittelverordnung 

  Rindergülle Rinderdung
  Mittel-wert V-bereich*** Richt-werte* Mittel-wert V-bereich*** Richt-werte**
TS %   6,70 0,30-14,60 4,00-12,00 28,20 18,80-84,40  25,00
N*   3,30 0,50-8,20 1,90-5,70 6,00 1,80-21,50 6,10
NH4-N*   1,50 0,10-3,20 0,90-2,80 0,60 0,10-1,40 1,20
P*   0,70 0,10-1,30 0,33-0,99 1,80 0,40-10,80 1,41
K*   2,50 0,70-3,80 2,21-6,61 8,80 2,70-54,30 10,34
Mg*   0,60 0,30-0,90 0,25-0,75 0,70 0,30-2,50 0,80

 

* Angaben in kg/t bzw. m3 Frischmasse

** LVLF (2008) – für ökologische Produktion gelten andere Richtwerte

*** Variationsbereich

Quelle: Wegener, J.

 

 

 

Vertraut man nur den Richtwerten, wird dann in vielen Fällen deutlich weniger Kalium ausgebracht als ursprünglich kalkuliert. Das spricht dafür, dass man die Nährstoffgehalte auch repräsentativ durch Analysen kontrollieren sollte. Offensichtlich ist das Unterschreiten der Richtwerte nicht zufällig und wird andernorts schon länger beobachtet. So hat das Land Schleswig-Holstein bereits 2006 die Richtwerte für den K-Gehalt in Rindergüllen um über 1kg K2O/m³ abgesenkt. Die Ergebnisse der durchgeführten Nährstoffanalysen erforderten diese Korrektur im Interesse realistischerer Richtwerte. Kalium wird von den Tieren vor allem aus dem Grundfutter aufgenommen. Die Ursachen für geringere K-Gehalte müssen deshalb vor allem im Futter gesucht werden. Auch hier zeigen die Ergebnisse des LKV Brandenburg bei Anwelk- und Maissilage Kaliumwerte, welche sich im unteren Bereich des normalen Niveaus befinden oder dieses sogar unterschreiten (Tabelle 2). Aus der Sicht der Tierernährung sind hohe K-Gehalte im Grundfutter nachteilig und möglichst zu vermeiden. Pflanzenbaulich sollte allerdings darauf geachtet werden, dass Kalium nicht zum ertragsbegrenzenden Faktor wird.

 

 

Tabelle 2:
Ergebnisse der Mineralstoffuntersuchungen von Silagen und Heu (Angaben in g/kg TS)

Futterart   Ca P Na Mg K
Grassilagen Anzahl 653 642 448 282  469
  Mittelwert 7,5 3,2 2,3 2,4 21,4
  Variationsbereich 2,7-24,3 1,3-5,4 0,1-13,7 1,1-6,0 5,7-42,7
  Tabellenwert* 5,5-7,0 3,0-4,2 0,9-1,5 1,4-2,3 20,0-33,0
Maissilagen Anzahl 423 421 232 185  238
  Mittelwert 2,3 2,3 0,1 1,4 11,0
  Variationsbereich 1,2-7,9 0,9-5,0 0,01-0,3 0,5-5,2 4,0-21,2
  Tabellenwert* 1,7-3,2 2,2-2,6 0,1 1,1-1,4 12,0-14,5

 

*Quelle: Spiekers und Potthast (2004)

Jahresbericht 2009 LKV Brandenburg (Auszug)

 

 

 

 

Grundsätzlich behindert ein Nährstoffmangel auch die Ausbildung gewünschter qualitativer Eigenschaften der Pflanzen. Um das zu verhindern, muss ausreichend gedüngt werden. Die Düngebedürftigkeit kann man am K-Gehalt des Bodens ablesen. Hier zeigen die vorliegenden Ergebnisse (Tabelle 3) vor allem beim Grünland Defizite. Etwas besser scheint die Versorgung des Ackerlandes zu sein. Möglicherweise werden organische und mineralische Düngung insgesamt mehr auf dem Acker konzentriert. Kalium durchläuft in Betrieben mit Rinderhaltung zum großen Teil einen Kreislauf. Allerdings ist dieser nie völlig geschlossen. Besonders auf leichten Böden müssen Verlagerungsverluste ~20-30 kg K2O/ha/a) berücksichtigt werden.

 

 

Tabelle 3:
Bewertungen der K-Gehalte von Ackerland und Grünland

Gehalts-klasse Bewertung der Kaliumgehalte von Ackerland (in %) Bewertungen der Kaliumgehalte von Grünland (in %)
3,2 19,9
B   22,6 31,3
32,8 24,9
D   26,7 16,0
14,7 7,9

 

Quelle: Wegener, J.

Ergebnisse der Bodenuntersuchung 2009 im LKV

 

 

 

Fazit

 

 

 

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Steffen Leidel

 

 

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