
4. Oktober 2010
Von „Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“ zeigten sich aus Sicht der Börsianer und Produzenten die Düngermärkte in den Wirtschaftsjahren 2007 bis 2009. Die der weltweiten Nachfrage folgenden hohen Phosphor- und Kaliumpreise führten von Verbrauchsspitzen in 2007/2008 zu heftigen Einbußen im Nährstoffverbrauch des Folgejahres. Die Landwirtschaft konnte und wollte dieses Preisniveau bei Düngemitteln nicht akzeptieren. Die Zahlen des letzten Düngejahres 2009/2010 zeigen den Trend zur Normalisierung der Märkte. Die Landwirte haben klar signalisiert, dass Düngemittelpreise zu ihren Erzeugerpreisen passen müssen, da sonst Kaufzurückhaltung geübt wird. Natürlich ist der Landwirtschaft auch bewusst, dass der Produktionsfaktor Boden nicht grenzenlos mit Sparen strapaziert werden kann, denn: „Sparen muss man sich leisten können!“
| Düngejahr Juli/Juni | 07/08 | 08/09 | 09/10 | Veränderung 09/10 zu 07/08 | Verbrauchsanteil 09/10 |
|---|---|---|---|---|---|
| t P2O5 gesamt | 29.977 | 9.742 | 23.160 | -22,7 % | |
| NPK-Dünger | 13.310 | 4.682 | 6.559 | -50,7 % | 28,3 % |
| NP-Dünger | 9.054 | 2.426 | 10.063 | +11,1 % | 43,4 % |
| PK-Dünger | 5.819 | 1.876 | 4.851 | -16,6 % | 20,9 % |
Baden-Württemberg und Bayern haben im Betrachtungszeitraum beim P-Verbrauch grob betrachtet rund 20 % verloren. Ein Vergleich mit dem Vorjahr 2008/2009 ist wegen der oben angeführten Markteinflüsse nicht sinnvoll. Nachholbedarf, auch wegen der regionalen Bodenversorgung mit Phosphor, ist angesagt. In beiden Ländern ist der NPK-Düngerverbrauch stark eingebrochen. Gewinner sind die PK- und NP-Dünger; diese besonders ausgeprägt in Bayern.
| Düngejahr Juli/Juni | 07/08 | 08/09 | 09/10 | Veränderung 09/10 zu 07/08 | Verbrauchsanteil 09/10 |
|---|---|---|---|---|---|
| t P2O5 gesamt | 44.064 | 21.672 | 35.798 | -18,8 % | |
| NPK-Dünger | 17.184 | 8.863 | 8.389 | -51,2 % | 23,4 % |
| NP-Dünger | 13.490 | 9.823 | 18.555 | +37,5 % | 51,8 % |
| PK-Dünger | 9.158 | 1.870 | 5.836 | -36,3 % | 16,3 % |
In beiden Ländern ist der Verbrauch von NP-Düngern auf hohem Niveau – nicht nur wegen des anhaltenden Trends zum Verbrauch in Düngemischanlagen, sondern auch wegen der weiter zunehmenden Maisfläche zur Biogasnutzung. Bei PK-Düngern unterscheiden sich beide Länder tendenziell beim Verbrauchsanteil nicht so stark.
| Düngejahr Juli/Juni | 07/08 | 08/09 | 09/10 | Veränderung 09/10 zu 07/08 | Verbrauchsanteil 09/10 |
|---|---|---|---|---|---|
| t K2O gesamt | 39.799 | 16.542 | 27.817 | -30,1 % | |
| NPK-Dünger | 17.775 | 6.545 | 9.029 | -49,2 % | 32,5 % |
| K-Einzeldünger | 13.943 | 6.852 | 9.613 | -31,2 % | 34,5 % |
| PK-Dünger | 8.081 | 3.145 | 9.175 | +13,5 % | 33,0 % |
Gegenüber dem Vergleichszeitraum hat der Kaliumverbrauch in BW insgesamt und bei den Einzeldüngern um rund 30 % abgenommen. Die starke Nachfrage nach Kalidüngern ab dem Jahresbeginn 2010 konnte die preisbedingte Kaufzurückhaltung der Landwirtschaft im dritten und vierten Quartal 2009 nicht ausgleichen. Die erschwerte Liefersituation wegen logistischer Probleme seitens der Bundesbahn bremste die Warenverfügbarkeit zusätzlich. Besonders stark, um fast die Hälfte, ist der Einbruch bei den industriellen NPK-Düngern. Gewinner sind eindeutig die PK-Dünger, was auch aus dem gestiegenen P:K-Verhältnis auf 1:1,9 er-sichtlich ist.
| Düngejahr Juli/Juni | 07/08 | 08/09 | 09/10 | Veränderung 09/10 zu 07/08 | Verbrauchsanteil 09/10 |
|---|---|---|---|---|---|
| t K2O gesamt | 66.008 | 24.397 | 42.830 | -35,1 % | |
| NPK-Dünger | 20.966 | 10.634 | 9.663 | -53,9 % | 22,6 % |
| K-Einzeldünger | 32.107 | 10.947 | 25.174 | -21,6 % | 58,8 % |
| PK-Dünger | 12.935 | 2.816 | 7.993 | -38,2 % | 18,7 % |
Der Kalium-Verbrauchsanteil in BY ist bei Industrie-NPK deutlich niedriger als in BW und befindet sich eindeutig im Abwärtstrend. Kali-Einzeldünger wiederum spielen in Bayern eine bedeutendere Rolle und haben im Betrachtungszeitraum weniger verloren. Die Kali-Einzeldünger decken mittlerweile über die Hälfte des Kaliumverbrauchs ab. Der Verbrauchsanteil an PK-Düngern liegt deutlich unter BW, ebenso hat der Absolutverbrauch im Vergleichszeitraum zu Gunsten der Einzeldünger stark abgenommen.
Insgesamt waren die drei vergangenen Düngewirtschaftsjahre von zahlreichen Sondereinflüssen geprägt. Die starke Nachfrage nach Kalium und Phosphor (und Stickstoff) in Übersee und in Europa trieben die Preise in 2007/2008 sehr stark nach oben. Im darauf folgenden Verbrauchszeitraum brachen daher die P- und K-Mengen ein. In 2009/2010 zeigt sich dagegen eine Erholung des Absatzes. Momentan ist bei Kalium eine gewisse Preiskonsolidierung erreicht, mit Preisrückgängen ist weltweit nicht zu rechnen. Die K+S KALI GmbH hat aktuell die Preise bis Ende des Düngejahres veröffentlicht. Phosphor (und Stickstoff) sind gegenüber dem Vorjahr deutlich teurer geworden, weitere Preisentwicklungen nach oben sind nicht auszuschließen.
Die Notwendigkeit einer ausgewogenen Grunddüngung mit P, K sowie Mg und Ca ist der Landwirtschaft bewusst, zumal seit Anfang der 90er Jahre bei P und K kräftig reduziert wurde. Viele Reserven sind nicht mehr vorhanden und das Gesetz vom Minimum gilt noch immer. Freundlichere Erzeugerpreise bei Getreide, Mais und Raps aber auch bei tierischen Veredlungsprodukten, geben den Landwirten wieder einen Anreiz, eine ordnungsgemäße und nachhaltige Grunddüngung durchzuführen.
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Heintze

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