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3. August 2010

Muss die Grunddüngung mit Kalium anders berechnet werden?

Erhebliche Turbulenzen an den Märkten für landwirtschaftliche Produkte und Betriebsmittel haben in den letzten beiden Jahren auch dazu geführt, dass die konventionellen Empfehlungen zur Grunddüngung hinterfragt wurden. Bei einem vermeintlich oder tatsächlich ungünstigen Verhältnis zwischen den Kosten für die Düngung und den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen sind unterschiedliche Reaktionen zu beobachten. Während die Stickstoffdüngung grundsätzlich meist nicht in Frage gestellt wird, fallen Grunddüngungsmaßnahmen aus Einsparungsgründen oft ganz weg.

 

Mit welchen Folgen auf den zu erwartenden Ertrag muss man dabei rechnen? Für Kalium (K) und Phosphor (P) geben Versuchsergebnisse aus früheren Jahren eine entsprechende Orientierung (Tabelle). Gleichzeitig kann man hier ablesen, dass der auf 100 Prozent gesetzte Optimalertrag prinzipiell in jeder Gehaltsklasse (GK) erreicht werden kann. Vorraussetzung dafür ist die Befolgung der entsprechenden Düngeempfehlung. Diese orientiert sich zunächst an der zu erwartenden Nährstoffabfuhr. Während bei niedrigen Gehaltsklassen (A und B) Zuschläge zur Abfuhr erforderlich sind, um den angestrebten Optimalertrag zu erreichen, wird bei sehr hohem Bodengehalt (E) gar keine Düngung empfohlen. Für einen mittleren Boden (sandiger Lehm) und einer erwarteten Nährstoffabfuhr von beispielsweise 50 kg K2O ha-1 (ca.80 dt Getreidekörner) variieren die Düngeempfehlungen somit zwischen 170 (GK A) und 0 kg K2O ha-1 (GK E). So ist eigentlich schon durch die Anwendung der „normalen“ Düngeempfehlungen ein recht großer Bereich der Reaktion durch unterschiedliche Düngungshöhen gegeben. Das gilt insbesondere bei der Nutzung teilschlagorientierter Düngungssysteme bei stark differierenden Nährstoffgehalten innerhalb von Schlägen.

 

Mittlere Ertragsreaktionen (%) der Kulturen auf Ackerböden Ostdeutschlands in Abhängigkeit vom K- und P-Gehalt des Bodens und der K- bzw. P-Düngung1)

Gehaltsklasse (GK) ohne Düngung Düngung nach Abfuhr optimale Düngung
A 80 90 100
B 87 96 100
C 92 1002) 100
D 96 100 100
E 100 100 100

 

1) Ergebnisse von 65 Dauerversuchen mit insgesamt 650 Erntejahren; Optimalertrag = 100 Prozent

2) Auf leichten und Moorböden mit Zuschlägen für Nährstoffverluste

 

(Quelle: Kerschberger, 2000.)

 

 

 

Die ökonomische Bewertung von Düngungsmaßnahmen scheint einfach. Der zu erwartende Minderertrag (s.o.) ist lediglich mit den Kosten der eingesparten Düngungsmaßnahme zu vergleichen. Abgesehen von der Schwierigkeit, Preise für Ernteprodukte hinreichend genau vorherzusagen, vereinfacht die Vorlage (Tabelle) stark. So erfolgt keine Differenzierung nach P-und K-Düngung und auch keine nach der unterschiedlichen Reaktion der Fruchtarten. Gleichwohl erscheinen beispielsweise die durch die Unterlassung der Düngung in Kauf zu nehmenden Mindererträge von ca.8 Prozent bei GK C relativ gering. In diesem Zusammenhang soll ein langjähriger K-Versuch auf einer Schwarzerde aus Löß betrachtet werden (Abb.).

 

Berücksichtigt man, dass sich der zu Versuchsbeginn sehr hoch mit K-versorgte Boden (GK E) in der ungedüngten Kontrolle nun immer noch auf einem mittleren Niveau (GK C) befindet, so ist der im Durchschnitt aller Düngungsvarianten erzielte Mehrertrag durch eine K-Düngung von 3 Prozent über den betrachteten Zeitraum als normal zu bewerten. Viel deutlicher waren die Reaktionen auf eine K-Düngung dagegen in den Jahren 2006 und 2009, als jeweils längere Trockenperioden das Wachstum beeinflussten. Die formal zu erwartenden Mehr- bzw. Mindererträge gibt es somit als Durchschnittsgröße natürlich nur theoretisch. Im Einzeljahr können diese erheblich schwanken. Es bleibt die Erkenntnis, dass die K-Düngung auch bei einem mittleren K-Gehalt entsprechend der Empfehlung erfolgen sollte. So kann weitgehend ausgeschlossen werden, dass K zum ertragsbegrenzenden Faktor wird. Das trifft noch viel mehr bei niedrigen Gehalten zu. Die Düngung muss einfach gewährleisten, dass alle anderen eingesetzten Produktionsmittel von der Sorte bis zum Pflanzenschutz in ihrem Wirkungspotential nicht durch eine eingeschränkte Ernährung der Pflanze beeinträchtigt werden. Auch ein Minderertrag von vielleicht (nur) 5 Prozent birgt eine entsprechend eingeschränkte Ausnutzung aller anderen Produktionsfaktoren – z.B. der N-Düngung. Mögliche positive Einflüsse auf Qualität und Resistenz sind ebenfalls zu berücksichtigen.

 

Kritisch werden in letzter Zeit die bestehenden Gehaltsklassen und daraus abgeleitete Düngungsempfehlungen hinterfragt. Natürlich wäre es wünschenswert, möglichst viele aktuelle Versuchsergebnisse mit vergleichbarer Versuchsanlage zur Verfügung zu haben, um hier ggfs. kontinuierlich Anpassungen vorzunehmen. So könnten vielleicht auch die vielen Fragen, welche sich im Zusammenhang mit der pfluglosen Bodenbearbeitung und der sich daraus ergebenden Nährstoffschichtung stellen, besser beantwortet werden. Andererseits ist es aber so, dass aktuelle Versuchsergebnisse die vorhandenen Grundlagen im Wesentlichen bestätigen. Umfangreiche neue Versuchsanlagen auf allen relevanten Standorten sind jedoch auch zukünftig nicht wahrscheinlich. Hüten sollte man sich jedenfalls davor, Versuchsergebnisse von Einzelstandorten zu stark zu verallgemeinern.

 

Vor allem forciert durch die Weiterentwicklung der Landtechnik gibt es vermehrt Verfahren, auch Grunddünger z.T. recht tief in den Boden als Depot einzubringen. Häufig wird damit die Hoffnung verbunden, insgesamt weniger düngen zu müssen. Ob das langfristig zum Erfolg führt, ist jedoch fraglich. Insgesamt nehmen die Pflanzen zumindest nicht weniger Nährstoffe auf. Bei Kalium gibt es Erkenntnisse, dass einige Kulturen auf eine in Wurzelnähe abgelegten „Strang“ aus Kaliumchlorid empfindlich reagieren. Für solche Fälle sollte deshalb Kaliumsulfat eingesetzt werden. Für die meisten Bedingungen dürfte jedoch bei dem sehr gut löslichen/beweglichen Kalium auch weiterhin die breitflächige Anwendung, ggfs. mit entsprechender Einarbeitung, die optimale Ausbringungsvariante sein.

 

Durch den zunehmenden Bau von Biogasanlagen fällt in einigen Regionen vermehrt Biogasgülle an. Bei Kalium gilt, dass die Mengen, die in die Anlage hineingehen, auch weitgehend wieder herauskommen. Analysen von Biogasgüllen zeigen allerdings, dass die K-Gehalte oft niedriger sind, als man anhand der Richtwerte für die Ausgangsstoffe wie Gülle, Mais und Grassilage annehmen könnte. Das dürfte durchaus auch auf eine niedrige K-Düngung und dementsprechend geringere K-Gehalte in den Pflanzen zurückzuführen sein. Kalium ist im Gegensatz zu Phosphor oder Stickstoff in der Gülle im Prinzip zu 100 Prozent sofort verfügbar. Das hat natürlich Vorteile in Bezug auf den aktuellen Bedarf. Allerdings kann K auf leichteren Böden und entsprechenden Niederschlägen auch schnell ausgewaschen werden, wenn keine Aufnahme durch die Pflanzen erfolgt.

 

Fazit

Düngeempfehlungen nach Bodenuntersuchungsergebnissen bleiben ein geeignetes Verfahren für die Bestimmung der Grund- und insbesondere der Kaliumdüngung. Eine optimale Düngung hat primär das Ziel, einen nährstoffbedingten Minderertrag zu verhindern. Die mittelfristige Anpassung des Bodengehaltes ist dabei ein „Nebeneffekt“. Grundsätzliche Änderungen der vorhandenen Richtwerte/Düngeempfehlungen setzten die neue Anlage und Auswertung zahlreicher Dauerversuche auf allen relevanten Standorten voraus. Das Gleiche gilt für die Erforschung des Einflusses veränderter Bodenbearbeitungs- oder Ausbringtechniken. Auch mit Biogasgülle ist eine K-Düngung möglich. Wie viel Kalium tatsächlich enthalten ist, lässt sich am sichersten durch eine Analyse feststellen. Liegen die Ausbringung und der Bedarf terminlich weit auseinander, ist vor allem auf leichten Böden mit Verlusten zu rechnen.

 

 

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Frey

 

 

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