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13. August 2009

Schwefelwirkung aus der Gülle wird oft überschätzt!

Im Frühjahr 2009 konnten Landwirte und Berater erstmals seit Jahren wieder verstärkt akute Schwefelmangelsymptome in Raps- und Getreidebeständen beobachten. Im Verlauf der Vegetation zeigten auch Zuckerrüben- und Grünlandflächen Aufhellungen und Vergilbungen, die auf unzureichende Schwefelversorgung zurückzuführen waren.

Dieser Raps bestand leidet unter akutem Schwefelmangel und wurde im Frühjahr 2009 nur mit Gülle gedüngt.

Dieser Rapsbestand leidet unter akutem Schwefelmangel und wurde im Frühjahr 2009 nur mit Gülle gedüngt.

 

Ursachen für die sichtbaren Mängel

Die Ursachen für die sichtbaren Mängel sind schnell gefunden: Bedingt durch die hohen Schwefelpreise in schwefelhaltigen Stickstoff-, PK- und NPK-Düngern hatten etliche Betriebsleiter auf eine gezielte Düngung mit Schwefel verzichtet. Selbst die sonst übliche Zufuhr über Korn-Kali, die normalerweise ausreicht, um zumindest den geringen Bedarf von Getreide zu decken, kam im Frühjahr 2009 nicht zum Tragen, weil vielen Landwirten die Grunddüngung mit Phosphor und Kalium zu teuer erschien.

Wirtschaftseigene Dünger sind in Zeiten teurer Mineraldünger willkommene Nährstofflieferanten, tragen aber kaum zur Schwefelversorgung bei.

Wirtschaftseigene Dünger sind in Zeiten teurer Mineraldünger willkommene Nährstofflieferanten, tragen aber kaum zur Schwefelversorgung bei.

 

Daher wurde nicht nur in viehhaltenden Betrieben versucht, die Nährstoffversorgung aller Kulturen weitestgehend über wirtschaftseigene Dünger, Kompost oder Gärsubstrate aus Biogasanlagen zu organisieren. Eine solche Vorgehensweise ist aus der landwirtschaftlichen Sicht verständlich, hat aber gerade beim Schwefel enggezogene Grenzen: Die Schwefelgehalte von Gülle entsprechen etwa einem Zehntel des Stickstoffgehaltes und können auch mit den bekannten Werten in die Düngebilanz einbezogen werden. So enthält z.B. ein m³ Rinder- oder Schweinegülle je nach Trockensubstanzgehalt 0,3–0,5 kg Schwefel. Rein rechnerisch ließe sich der Schwefelbedarf von Getreide also mit 25-30 m³ Gülle beinahe abdecken.

 

Die Verfügbarkeit von Gülleschwefel ist aber mit 7 % im Anwendungsjahr außerordentlich begrenzt und gerade unter den Bedingungen eines kühlen Frühjahres als kritisch zu betrachten.

 

Dies wurde besonders deutlich bei Schwefeldüngungsversuchen der Fachhochschule Rendsburg zu Grünland: In den intensiv mit Stickstoff gedüngten Grasparzellen traten beim 2. und 3. Aufwuchs Schwefelmangelsymptome auf, obwohl 25 m³ Gülle gegeben worden waren. Zu den Parzellen ohne Schwefeldüngung gab es im Prinzip keinen Unterschied. Erst bei einer mineralischen Düngung mit Sulfat konnte eine ausreichende S-Versorgung sichergestellt werden. Erst dann fiel das N:S-Verhältnis im Aufwuchs geringer als 12:1 aus und das Ertragspotential des Standortes konnte voll ausgeschöpft werden.

Zwischen den Varianten mit (linkes Bild) und ohne Gülledüngung (rechts) gab es hinsichtlich der Schwefekwirkung keine Unterschiede. Ohne Sulfatschwefel traten akute S-Mangelerscheinungen (jeweils linke Parzelle) in den Behandlungen mit hoher N-Düngung auf.

 

Fazit: Die verbreitet sichtbaren Probleme mit der Schwefelversorgung im Frühjahr 2009 können vielfach auf eine Überschätzung der Schwefelwirkung von Gülle zurückgeführt werden. Raps und Getreide, Zuckerrüben und Grünland sollten immer eine mineralische Schwefelgabe als Sulfat erhalten, um Mindererträge durch unzureichende S-Versorgung zu vermeiden. Besonders geeignet sind dafür die sulfathaltigen Kali- und Magnesiumdünger wie ESTA Kieserit gran, Korn-Kali, Patentkali und Magnesia-Kainit für das Grünland.

 

 

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Feger

 

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