
22. September 2010
Stabile Erzeugerpreise beim Körnerraps treffen auf moderate Kalipreise. Problematisch und oftmals weit unterentwickelt stellen sich in diesem Jahr spät und unter ungünstigen Bedingungen ausgesäte Bestände dar. Somit ist eine Förderung der Kulturen in jedem Fall sinnvoll und verspricht mehr Rendite als in den Vorjahren.
Beim Winterraps wird der überwiegende Teil des Ertrages von der Entwicklung vor Winter bestimmt. Um den Stand der Vegetation im Herbst zu beurteilen, ist als Maß der Wurzelhalsdurchmesser heranzuziehen. Als Ziel gelten hier 4 mm zum Zeitpunkt Ende September sowie 10 mm im Spätherbst. Bis zur Vegetationsruhe sollte ein Bestand von ca. 40 Pflanzen/m² (Liniensorten eher 50 Pflanzen) ausgebildet sein. Mit ca. 10 Blättern/Pflanze kann Winterraps bei entsprechender Verzweigung im Frühjahr zu hohen Erträgen geführt werden.
Eine wesentliche Voraussetzung für die geforderte Entwicklung bildet das Nährstoffmanagement im Herbst. Da Körnerraps vor Winter oft mehr als 100 kg K2O ha-1 aufnimmt, ist eine Zufuhr von Kalium auf die Stoppel der Vorfrucht oder nach der Rapssaat sinnig. Bei noch schwachem Wurzelnetz sind gerade mineralische Kali-Gaben förderlich hinsichtlich der Jugendentwicklung. Hier werden schon Blütenzahl, Knospenaufbau und damit wesentliche Ertragsanlagen determiniert. Bei Frost wirken hohe K-Gehalte und damit einhergehend höherwertige Zucker im Zellsaft als pflanzeneigener Schutz. Das Herausfrieren oder Vertrocknen der Pflanzen zieht oftmals eine Knospenreduzierung nach sich. Zudem wird bei Vegetationsbeginn viel Energie zur Erneuerung des Blattapparates benötigt. Eine ausreichende Kalium-Versorgung wirkt folglich der Auswinterung und Assimilatverlusten entgegen.
Raps ist ein Wunder der Natur. Kaum eine Ackerkultur entwickelt sich ausgangs Winter vergleichbar schnell und bildet in kurzer Zeit gleichsam aus dem „Nichts“ Biomasse in ähnlichen Größenordnungen. Zum Start in die Vegetation sind Stickstoff und Kalium maßgebliche Nährelemente. In der Summe nimmt Körnerraps bis zu 400 kg K2O ha-1 auf (Abb. 1). In der Regel werden der Kultur jedoch in Form einer Düngung nur 200 bis 240 kg K2O ha-1 zugeführt. Um die Differenz den Bodenvorräten entnehmen zu können, ist daher gerade in Körnerraps-Fruchtfolgen eine gute Bodenversorgung angeraten. Im Lichte hoher Bruttoentzüge wird im Rahmen der Fruchtfolgedüngung immer ein Schwerpunkt auf Raps als die anspruchsvolle Pflanze gelegt. Wie die Aufnahmekurve zeigt, sind zum Zeitpunkt des Schossens an einigen Tagen bis zu 10 kg K2O/Tag für die Trockensubstanzbildung erforderlich. Hier wird maßgeblich die Schotenzahl je Pflanze bestimmt, auch diese Ertragskomponente unterliegt im Vegetationsverlauf der Gefahr übermäßiger Reduktion oder unzureichender Ausbildung aufgrund von Mangel an Wasser und Nährstoffen.
| Abb. 2: Auf Kalium und Magnesium zu Raps besonders achten bei: |
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In Ackerbauregionen sind der Zuckerrübe in der Regel die besten Böden vorbehalten, sodass Körnerraps mit den weniger begünstigten Standorten leben muss. Dennoch gelingt es bei ausgefeilter Produktionstechnik, auch hier Erträge von 5 - 6 t ha-1 zu realisieren. Ausgefeilte Produktion bedeutet in diesem Fall, die Düngung den Standortbedingungen anzupassen (Abb. 2). Die Eingruppierung der nach Bodenprobe analysierten mg-Werte in Versorgungsstufen geschieht unabhängig von der Krumen- oder auch Durchwurzelungstiefe. So sind in NRW z.B. 14 mg K2O pro 100 g Boden in Mitte Stufe C angesiedelt, ganz gleich ob der Boden 2 m tief oder nur 20 cm tief durchwurzelbar ist. Hier sind folglich die an sich hilfreichen Düngeempfehlungen zu modifizieren. Ebenso sind Sandböden geologisch bedingt im Lichte fehlender Nährstoffträger oftmals nicht in der Lage, die oben genannten Mengen an Mineralien nachzuliefern.
Zunehmend spielt auch der Trockenstress eine den Ertrag begrenzende Rolle. Der Wasserhaushalt wird durch Kalium an verschiedenen Stellen in der Pflanze positiv beeinflusst. Daneben neigen schwere Böden bei Trockenheit zur Kaliumfixierung, sodass diesem Nährstoff auf allen Trockenstandorten eine gesteigerte Bedeutung zukommt. Aber auch die Bewirtschaftung spielt in dieser Hinsicht eine große Rolle. Bei Mulchsaat z.B. setzt die Mineralisierung erst verzögert ein, sodass bei knapper Versorgung Stickstoff und Schwefel früher Mangel zeigen als auf gepflügten Böden. Ebenso sind Phosphor, Kalium und Magnesium bei nicht wendender Bodenbearbeitung auf Lehm und Ton eher in der oberen Bodenschicht akkumuliert. Die Rapswurzel kann den eigentlichen Vorteil, Nährstoffe aus unteren Schichten zu erschließen, nicht nutzen.
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Abb. 3: Auszug Feldversuch Lage mit Magnesium und Schwefel zu Raps im Mittel der Jahre 2003/2006
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| Nährstoffe kg ha-1 K2O MgO S |
Düngemittel / Ausbring-ungszeitpunkt |
Ertrag t ha-1 |
Öl-gehalt % | S-Gehalt % in TS | Mg-Gehalt % in TS | |
| 160 57 43 |
Korn-Kali + ESTA Kieserit im Herbst |
4,78 | 42,9 | 0,49 | 0,29 | |
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160 |
60er Kali im Frühjahr | 4,01 | 41,0 | 0,31 | 0,17 | |
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160 57 43 |
Korn-Kali + ESTA Kieserit im Frühjahr |
4,77 | 44,1 | 1,16 | 0,25 | |
Körnerraps weist mit ca. 40 kg S ha-1 einen hohen Düngebedarf im Frühjahr auf. In vielen Jahren ist auch eine Schwefel-Applikation im Herbst in Höhe von 10 - 15 kg S ha-1 gewinnbringend. In verschiedenen Kali-Düngern ist mit Ausnahme von 60er Kali gran. Schwefel enthalten, mit 500 kg Korn-Kali ha-1 werden z.B. 20 kg S ha-1 appliziert. Eine Ergänzung kann durch ESTA Kieserit gran. (20 % S) erfolgen. Die entsprechenden Effekte werden im Feldversuch Lage (Lippe) (Abb. 3) sichtbar. Hier bewirkt Schwefel in Kombination mit Magnesium Mehrerträge von ca. 700 kg Raps ha-1. Viel diskutiert werden auch die Ölgehalte. Neben züchterischen Fortschritten gibt es auch einen Ansatz in der Pflanzenernährung. Bekanntermaßen bewirkt ein maßvoller Stickstoffeinsatz hohe Ölgehalte, da weniger überschüssiger N als Protein im Korn eingelagert wird. Außerdem wird im zitierten Feldversuch der Ölertrag durch Magnesiumsulfat um ca. 400 kg ha-1 gesteigert. Für den Praktiker interessant sein dürfte, dass in dieser Hinsicht im Gegensatz zum auch im Versuch geführten Weizen beim Raps kaum ein Unterschied zwischen Herbst- und Frühjahrsapplikation besteht. Dieses wird durch die im Frühjahr zum Stadium 53 (erste Knospen sichtbar) gezogenen Blattproben untermauert. Lediglich Schwefel wird bei ESTA Kieserit-Gaben zur Februar-Ausbringung stärker angereichert als bei der Oktober-Applikation, entspre-chend scheint hier eine Kombination von Schwefel in Herbst und Frühjahr (Beispiel Korn-Kali im Herbst – ESTA Kieserit im Frühjahr) das Mittel der Wahl zu sein.
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Elfrich

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