Pflanzennährstoffe  ›   Fachinformationen  ›   KALI Akademie  ›  

Sieben Irrtümer der Schwefeldüngung

Schwefel ist ein Hauptnährstoff in der Pflanzenernährung. Er kommt in vielen verschiedenen Zustandsformen vor, die jeweils andere Eigenschaften aufweisen. Die verschiedenen Wirkweisen dieser Zustandsformen führen bei dem Ziel einer idealen Pflanzenversorgung zu Irrtümern. Die Fehlannahmen sollen in diesem Artikel beleuchtet und korrigiert werden. Bevor die KALI Akademie die sieben bekanntesten Irrtümer der Schwefeldüngung auflistet, vergleicht das folgende Video die Eigenschaften von Sulfatschwefel und elementarem Schwefel:

Erklärvideo zur Frage: Welche Schwefelform nehmen Pflanzen auf?

Die sieben Irrtümer der Schwefeldüngung

Die zugesprochenen Eigenschaften der verschiedenen Zustandsformen werden korrigiert und Wirkweisen pflanzenphysiologisch erklärt.

 

 

Irrtum 1: Alle Schwefelformen in Düngemitteln wirken bodenversauernd.

Nur elementarer Schwefel wird über Bodenbakterien zu Sulfatschwefel abgebaut. Bei der Umwandlung entsteht Schwefelsäure.

Irrtum 2: Düngemittel mit Sulfatschwefel wirken stets sauer.

Neutralsalze wie Magnesium- oder Kaliumsulfat können nicht sauer wirken, da sie keine Wasserstoff-Ionen enthalten. Bei Ammoniumsulfat werden über das Ammonium jeweils vier Wasserstoff-Ionen in den Boden eingebracht. Bei der Umwandlung in Nitratstickstoff werden diese freigesetzt und wirken stark versauernd. Der Sulfatanteil selbst ist neutral.

Irrtum 3: Bodenversauerung setzt Nährstoffe frei.

Kulturpflanzen brauchen einen optimalen pH-Wert. In versauerten Böden werden Nährstoffe festgelegt. Das Sprichwort: „Kalk macht reiche Väter – aber arme Söhne“, ist kennzeichnend für eine Nährstoffmobilisierung durch Kalk ohne sachgerechte mineralische Düngung, aber nicht für eine nachhaltige Landbewirtschaftung.

Irrtum 4: Düngung mit elementarem Schwefel senkt den pH-Wert in kalkhaltigen Böden.

Böden mit pH-Werten über 7 enthalten freien Kalk und sind für das Pflanzenwachstum stets problematisch. Trotz der stark versauernden Wirkung kann gedüngter elementarer Schwefel auf solchen Böden unmöglich den pH-Wert absenken. Die gebildete Schwefelsäure wird durch den Kalk unter Bildung von Gips sofort neutralisiert.

Ammoniumstickstoff hat hier eine besondere Wirkung. Dieser kann den pH-Wert eines kalkhaltigen Bodens ebenfalls nicht absenken, die Pflanzen nehmen aber Ammoniumstickstoff auf und scheiden dabei Säuren über die Wurzel aus. Damit werden Nährstoffe im unmittelbaren Wurzelbereich besser verfügbar. Die beiden Effekte sind völlig verschieden. Eine pH-Wert Absenkung kann in Böden mit freiem Kalk weder mit elementarem Schwefel noch mit Ammoniumstickstoff bewirkt werden.

Irrtum 5: Sulfat wird ausgewaschen und muss deshalb ständig nachgedüngt werden.

Während des Sommerhalbjahres ist die Verdunstung höher als der Niederschlag. Anders als im Winter ist der Wasserstrom deshalb von unten nach oben gerichtet. Daher wird bei einer bedarfsgerechten Düngung der Schwefel nicht ausgewaschen, sondern für das Wachstum genutzt. Pflanzen betreiben bei Schwefel keinen Luxuskonsum, sodass bei einer einmaligen Düngung mit Sulfat im Frühjahr die Versorgung bis zum Herbst sichergestellt ist.

Irrtum 6: Eine Düngung von elementarem Schwefel im Herbst verhindert eine Sulfatauswaschung über den Winter.

Elementarer Schwefel ist grundsätzlich nicht wasserlöslich. Noch im Herbst aus elementarem Schwefel gebildetes Sulfat wird genauso verlagert wie Sulfat aus anderer Herkunft. Im Frühjahr setzt die bakterielle Umwandlung von elementarem Schwefel zu Sulfat nur zögerlich ein und ist damit bei Vegetationsbeginn noch nicht für die Winterkulturen verfügbar. Das gilt auch für Schwefel aus der organischen Substanz.

Irrtum 7: Überhöhte Schwefeldüngung hat keinen Einfluss auf das Pflanzenwachstum.

Für Sulfat wurden selbst bei Düngegaben über Entzug keine antagonistischen Wirkungen zu anderen Nährstoffen festgestellt. Dagegen wirkt elementarer Schwefel fungizid und bakterizid. In dieser Eigenschaft wird er gezielt zur Blattspritzung eingesetzt. Im Gegensatz zu Sulfat schädigen größere Mengen an elementarem Schwefel die Mikroorganismen im Boden. Möchten Sie Desinfektionsmittel düngen?

 

Fazit:

In der Pflanzenernährung ist die wertvollste Schwefelform der Sulfatschwefel. Diese  Zustandsform ist nicht nur pH-neutral, sondern bringt auch die Nährstoffe Kalium oder Magnesium in wasserlöslicher, sofot pflanzenverfügbarer Nährstofform mit.

 

Weiterführende Informationen

Zum Nährstoff: Schwefel

Zum Webinar zum Thema Schwefeldüngung

Zu sulfatschwefelhaltigen Pflanzennährstoffen

Zurück zur KALI Akademie

Wählen Sie eine Website