Wer entscheidet im Ackerbau – der Landwirt oder der Lohnunternehmer?

Die Betriebe der Familie Christ in der Nähe von Ravensburg, etwa 20 km nördlich vom Bodensee, sind seit ein paar Jahren strikt aufgeteilt. Vater Josef, seit 1987 Pächter der Domäne Hochberg, führt den landwirtschaftlichen Betrieb mit ca. 220 ha Ackerbaufläche. Ungewöhnlich ist, dass er nicht eine landwirtschaftliche Maschine besitzt. Er ist Kunde bei seinem Sohn Robert, der das landwirtschaftliche Lohnunternehmen leitet, das sein Vater 1974 gegründet hatte. Doch wer plant und bestimmt die ackerbaulichen Entscheidungen wie die Düngung? Peter Heintze, Regionalberater der K+S KALI GmbH, erfährt im Gespräch Details über die Arbeitsteilung.

Peter Heintze, Regionalberater der K+S KALI GmbH (rechts), im Gespräch mit Robert Christ (links) und Josef Christ (mittig) (Foto: K+S KALI GmbH)

Peter Heintze, Regionalberater der K+S KALI GmbH (rechts), im Gespräch mit Robert Christ (links) und Josef Christ (mittig) (Foto: K+S KALI GmbH)

 

„Stillstand ist Rückschritt“

Getreu diesem Motto hat sich Christ Senior seit dem Einstieg in die Landwirtschaft im Jahr 1970 bei der Bewirtschaftung und beim Anbau jeweils an aktuelle, örtliche und marktpolitische Gegebenheiten angepasst. Er legte im Ackerbau den Schwerpunkt zunächst auf den Anbau von Körnermais, Gerste und Weizen. Ab 1987 begann er mit dem neuen Standbein der Saatgutvermehrung – zunächst von Gerste und seit 1990 von Dinkel. In der Folgezeit erweiterte Josef Christ die Anbaufläche von Dinkel zu Lasten von Weizen, dessen Anbau vor zehn Jahren völlig eingestellt wurde, weil die frühere Reife von Dinkel besser mit der Ernteabfolge für das Lohnunternehmen zu vereinbaren ist. Auf der Domäne Hochberg werden derzeit Raps, Wintergerste, Dinkel und Körnermais angebaut. Dabei setzt Christ Senior ganz auf die Maschinendienstleistungen seines Sohnes. Der große Vorteil ist, dass die hohen Maschinenfixkosten entfallen und „damit der Hof betriebswirtschaftlich gut da steht“, so Josef Christ.

 

Herausfordernde Standortverhältnisse

Die landwirtschaftlichen Flächen sind geologisch durch ein Mosaik aus steinigen Endmoränen, fruchtbaren flachwelligen Grundmoränen, Mooren und Seen geprägt. Zusätzliche Herausforderungen liegen für Josef Christ in den unterschiedlichen Höhenlagen von 420 m bis 600 m NN und Jahresniederschlägen von bis zu 1800 mm.

 

Die betrieblichen Fruchtfolgen auf gut erreichbaren Flächen sind entweder Mais / Dinkel / Raps oder Mais / Gerste / Raps. Um den Fusariumbefall im Dinkel zu kontrollieren, steht auf ca. 40 ha in der Fruchtfolge Raps vor Dinkel. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen wird auf schlechter erreichbaren Flächen Körnermais in Monokultur bestellt.

Die Betriebe der Familie Christ liegen in der Nähe von Ravensburg, etwa 20 km nördlich vom Bodensee (Foto: K+S KALI GmbH)

Das neue Betriebsgelände der Familie Christ (Foto: K+S KALI GmbH)

 

Welche Konsequenzen haben die Standortbedingungen für Bodenbearbeitung und Düngung?

Josef Christ: „Trockenjahre wie 2003 oder 2006 haben kaum negative Auswirkungen auf die Erträge, nachteiliger wirkt sich da schon ein sehr feuchter Herbst aus.

 

Wir setzen auf differenzierte Ackerbausysteme: Zum einen auf die konventionelle Bodenbearbeitung mit dem Ziel nach Körnermais eine schnelle Strohrotte zu fördern. Für die Wintergerste wird gepflügt, um das Maisstroh zu vergraben. Sonst ist der Pflug nur noch vor der Maissaat zum Ausgang des Winters im Einsatz. Hier werden Frostnächte wegen der besseren Befahrbarkeit der Flächen ausgenutzt. So trocknen die Böden im Frühjahr besser ab und der Mais kann einige Tage früher gesät werden.

 

Zum anderen nutzen wir die konservierende Bodenbearbeitung. Vor Raps wird mit einem 3-m-Grubber bis zu 20 cm tief gegrubbert, so dass sich das Maisstroh leichter zersetzt. Zur Saatbettbereitung dient eine Kreiselegge. Die Dinkelsaat ins Maisstroh erfolgt mittels einer Fräs-Drill-Kombination im Mulchsaatprinzip. Zwischenfrüchte werden mit der Kurzscheibenegge und aufgebautem Kleinsamenstreuer bestellt.“

Aussaat mit Unterfußdüngung (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

Aussaat mit Unterfußdüngung (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

Maisnachdüngung mit 16-reihigem pneumatischen Düngerstreuer (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

 

Mit welchem Düngesystem haben Sie gute Erfahrungen gesammelt?

Josef Christ: „Die Ackerflächen der Domäne Hochberg werden regelmäßig gekalkt, so dass auf schweren Böden ein ph-Wert von 6,8-7,0 und auf leichten Böden ein ph-Wert von 6,0-6,5 erzielt wird. Im Getreide verwenden wir NPK-Volldünger (14-10-20 Industrieware), dabei wird bei Dinkel und Gerste auf Entzug gedüngt. Somit stehen im Oberboden die Nährstoffe Phosphor und Kalium immer ausreichend zur Verfügung. Bodenanalysen zeigen, dass sich die Gehaltswerte im guten C-Bereich befinden. Raps erhält zusätzlich zur PK-Herbstdüngung im Frühjahr 100 kg Korn-Kali ha-1. Zur Deckung des Spurennährstoffbedarfs neben Magnesium und Schwefel setzen wir die Blattdünger EPSO Combitop im Getreide und EPSO Microtop im Raps bei jeder Pflanzenschutzbehandlung mit jeweils 5 kg ha-1 ein.“

 

Welche Besonderheiten sind bei der Düngung von Körnermais zu beachten?

Josef Christ: „Für die Körnermaisdüngung machen wir seit zehn Jahren gute Erfahrungen mit einer Mischung 200 kg DAP ha-1 + 100 kg Harnstoff ha-1 als Unterfußdüngung bei der Saat. Weiter bringen wir seit 20 Jahren vor der Saat 500 bis 550 kg Korn-Kali ha-1 möglichst nahe am Saattermin breitflächig aus. Und obwohl keine Auswaschung stattfindet, bewegen sich laut Bodenuntersuchungen die Kaliumgehalte auch in den schweren Böden nur im guten B-Bereich. Eine plausible Erklärung dafür scheint es nicht zu geben. Ideal ist der sulfatische Schwefelanteil von 4 % S im Korn-Kali, da so die Versorgung mit sofort pflanzenverfügbarem Schwefel gesichert ist.“

 

Sind Sie mit Ihren Ernteergebnissen zufrieden?

Josef Christ: „Den einzigen Wermutstropfen sehen wir bei den Maiserträgen, denn trotz des Anbaus neuer Sorten stagniert der Ertrag auf hohem Niveau. Wir glauben, dass der begrenzende Faktor für die stagnierenden Erträge die Klimaverhältnisse hier im östlichen Bodenseebecken sind. Die Dinkelerträge sind zufrieden stellend, leider ist der niedrige Rohdinkelpreis im Frühjahr 2010, der unter dem Weizenpreis notiert, sehr unbefriedigend. Die durchschnittlichen Erträge im Raps liegen knapp unter 5 t ha-1. Die Gerste als Randprodukt spielt im Betrieb nur eine untergeordnete Rolle.“

Der zehnreihige Maishäcksler (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

Maisernte (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

 

Herr Christ, als Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes verzichten Sie auf einen eigenen Maschinenbestand. Wer plant und entscheidet die Düngung, der Landwirt oder der Lohnunternehmer?

Josef Christ: „Die Planung und Düngung liegt nach wie vor bei mir.“ Besonders die Düngung von Körnermais benötigt Fingerspitzengefühl und das Lohnunternehmen Christ sieht sich als Vorreiter beim Mais schonenden Düngen, schon seit 1987. Bei diesem Verfahren schleifen Schläuche hinter der Maschine auf dem Boden und der Dünger wird in Bodennähe unter den Bestand geblasen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es entstehen wenig Verätzungsschäden an den Pflanzen, die Wahl des optimalen Düngungszeitpunkts im schon stehenden Bestand ist möglich und die Maisbestände sind bis 90 cm Höhe ohne Schaden befahrbar. Heute steht ein 16-reihiger pneumatischer Düngerstreuer für diese Arbeit bereit.

 

Der Lohnunternehmer Christ Junior

Sohn Robert Christ leitet als Einzelunternehmer mit drei fest angestellten Mitarbeitern sowie zahlreichen Aushilfskräften den modernen und umfangreichen Maschinenpark. Die neueste Maschine und absolutes Highlight ist der zehnreihige Maishäcksler. Bei einer Leistung von ca. 3 ha Std.-1 müssen genügend Maisflächen vorhanden sein, damit die Maschine rentabel ist und ausgelastet wird. Hier trägt der Boom in der Biogasproduktion zur Rentabilität der Maschine bei. Das Einsatzgebiet erstreckt sich auf einen Umkreis von über 50 km um die Domäne Hochberg. Die Dienstleistungspalette reicht von allen Arbeiten des Ackerbaus über Mähdrusch sowie der Silagebergung bis hin zur ackerbaulichen Beratung, die auf langjährigen Erfahrungswerten basiert.

 

Christ Junior blickt durchaus positiv in die Zukunft. Mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel der Landwirtschaft geht auch eine Spezialisierung einher. Er sieht daher eine steigende Nachfrage nach seinen Dienstleistungen aus dem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen. Weitere Einsatzmöglichkeiten ergeben sich im Obstbau und Erdbeeranbau. Lohnunternehmer Christ Junior bietet schon heute die gesamte Produktionskette für Mais an. Sein Vorteil: Er kann kurzfristig und flexibel auf die Ansprüche der Kunden reagieren, auch bei der Düngung.

 

Kontakt: Christ – Lohnunternehmen

Christ – Lohnunternehmen

Robert Christ

Domäne Hochberg

88213 Ravensburg Deutschland

 

Telefon: 0751 9 44 42

Fax: 0751 9 44 32

info@christ-lu.de

www.Christ-lu.de

Das Team der Firma Christ – Lohnunternehmen (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

Das Team der Firma Christ – Lohnunternehmen (Foto: Christ – Lohnunternehmen)

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