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31.01.2019

Kaliwerk Werra: Masterabschluss mit 62 Jahren – Dr. Petra Bruckmann erarbeitet Kennzahl für die Gesamtanlageneffektivität am Standort Unterbreizbach

„Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen. Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen.“ Diesen Ausspruch von Henry Ford hat sich Dr. Petra Bruckmann auf die Fahne geschrieben. Auf Petra Bruckmann passt dieser Spruch „wie die Faust aufs Auge“. Denn die gebürtige Duisburgerin hat in ihrem Leben schon unterschiedlichste Sachen gelernt: In den 1980er Jahren studierte sie, die sich selbst als „ehemalige Hardcore-Naturwissenschaftlerin“ bezeichnet, in Bochum Mineralogie („das war schon mit 15 mein klarer Berufswunsch“), hat sich anschließend zur Organisationsprogrammiererin weitergebildet, dann promoviert, später eine Marketingausbildung bei der IHK gemacht, vor zwei Jahren noch mal ein Masterstudium Supply Chain Management an der Hochschule Fulda aufgenommen, für deren Zulassung sie sich wiederum zuvor in zwei Semestern betriebswirtschaftliche Kenntnisse hatte aneignen müssen – und nun steht sie mit fast 62 Jahren kurz vor Abgabe ihrer Masterarbeit!

Studentin Dr. Petra Bruckmann schreibt aktuell ihre Masterarbeit am Standort Unterbreizbach des Werkes Werra der K+S KALI GmbH. (Foto: K+S)

Masterarbeit am Standort Unterbreizbach

Die Masterarbeit schreibt sie aktuell am Werk Werra, genauer gesagt am Standort Unterbreizbach. Der Titel: „Methodenimplementierung der Gesamtanlageneffektivität in der Kaliproduktion über Tage am K+S-Standort Unterbreizbach“. Etwas einfacher ausgedrückt erarbeitet Dr. Bruckmann eine Kennzahl, OEE genannt (das steht für Overall Equipment Effectiveness), mit der Produktivität sowie Verluste der Anlage aufgedeckt werden können.

In der englischen Sprache gibt es die Redewendung „a piece of cake“, wörtlich übersetzt: ein Stück Kuchen; davon spricht man, wenn eine Aufgabe für jemanden ein Kinderspiel ist. Der Titel suggeriert bereits, dass der Inhalt der Masterarbeit von Dr. Bruckmann eben kein „piece of cake“ ist. Diesen Eindruck bestätigt die hervorragend ausgebildete Studentin: „Als Mineralogin fand ich, dass das Thema Kalisalz nicht weit von meinem Kernthema entfernt liegt, und auch mit Analysetechniken bin ich vertraut, aber ich muss zugeben, der Prozess ist hochkomplex.“ Und unumwunden fügt sie hinzu: „Es gibt durchaus noch ein paar Nüsse, die ich knacken muss.“

Dass das Thema kompliziert ist, dessen ist sich auch Dr. Frank Bock, Leiter Produktion und Technik über Tage am Standort Unterbreizbach, bewusst. Ein knappes Jahr ist er in dieser Position. Und schnell nach seiner Ankunft plante er, eine Kennzahl in der Fabrik Unterbreizbach einzuführen, mit der man den Produktionsprozess bewerten kann. Er entschied, das Thema als Masterarbeit auszuschreiben. Denn: „Wir haben nicht die internen Ressourcen, dass sich jemand ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt.“ Die Ergebnisse der Masterarbeit von Dr. Bruckmann sollen es ermöglichen, die tatsächliche Auslastung der Anlage differenziert zu messen und vorhandene Potenziale zu heben – und somit letztendlich den Standort Unterbreizbach zu stärken.

So kam es, dass Studentin Petra Bruckmann auf die Ausschreibung aufmerksam wurde. „Auch wenn es zeitlich eigentlich gar nicht recht passte und auch kein reines Supply-Chain-Management-Thema ist, hat es mich sehr angesprochen“, sagt die Masterstudentin. Das mag auch mit daran liegen, dass sie als Kind des Ruhrpotts, deren Vater im Kohlehandel beschäftigt war und der Opa als Obersteiger im Kohlebergbau arbeitete, eine Verbindung zum Bergbau und ein Faible für Industrieanlagen hat. Trotzdem war sie skeptisch bei der Bewerbung: „Ich dachte mir, dass das vielleicht eine Nummer zu groß für mich ist und ich möglicherweise zu alt bin.“ Immerhin ist Petra Bruckmann mit ihren 61 Jahren älter als die Eltern ihrer Kommilitonen im typischen Masterstudentenalter und selbst ihre Professoren sind fast ausschließlich jünger als sie.

Dr. Petra Bruckmann im Gespräch mit Matthias Meyer, Online-Analytiker am Standort Unterbreizbach. (Foto: K+S)

Lebenserfahrung und Menschenkenntnis

Im Vorstellungsgespräch jedoch überzeugte sie sowohl mit fachlichen Kenntnissen als auch mit ihren sozialen Fertigkeiten. Dr. Bock: „Neben ihren Fachkenntnissen ist uns Frau Dr. Bruckmanns Sozialkompetenz aufgefallen; sie verfügt über die notwendige Portion Einfühlungsvermögen. Immerhin ist sie bei ihrer Arbeit von der Mitarbeit der Aufsichten und Meister abhängig. Und wir waren einstimmig davon überzeugt, dass sie die passende Besetzung ist.“ Dem stimmt auch Personalleiter Frank Roth zu: „Frau Dr. Bruckmann entspricht zugegebenermaßen nicht der typischen Masterstudentin, aber sie hat in ihrem Leben schon viele Funktionen innegehabt, viele unterschiedliche Aufgaben erfüllt und profitiert von ihrer Lebenserfahrung und Menschenkenntnis.“

Frau Dr. Bruckmann hat wissenschaftlich gearbeitet, war Marketingexpertin, hat sich zwischenzeitlich aber eine Zeit lang auch komplett zuhause um die Tochter gekümmert. Sie war ehrenamtlich in den verschiedenen Schulen, die ihre Tochter besuchte, tätig, dann war sie in einer Beratungsfirma angestellt, und hat nun eben wieder die „(Hoch-)Schulbank“ gedrückt. So musste sie sich häufig in neuen, sehr unterschiedlichen Rollen wiederfinden. Dieser disruptive Lebenslauf mache sie unter anderem bodenständig und zugänglich für die Kollegen, ist Personalexperte Roth überzeugt.

Tatsächlich ist für Dr. Bruckmann das Wissen der Mitarbeiter in der Fabrik das A und O. Täglich nimmt sie an der Frühbesprechung mit Standortleitung, Meistern, Aufsehern und Assistenten teil. Einmal am Tag geht sie auch raus in einer der Schichten und holt sich dort Informationen. Sie wertet Daten zu Störungsart und -dauer aus sowie die Zahlen zu Ausbeute und Qualität. Ihre Erfahrungen mit den Mitarbeitern der Fabrik Unterbreizbach sind sehr positiv: „Die Kollegen sind unheimlich nett und hilfsbereit und obwohl sie alle ausgelastet sind, versorgen sie mich mit den notwendigen Informationen, denn sie wissen, dass ich sonst keine Grundlage für meine Auswertung habe.“ Sie fühle sich in Unterbreizbach sehr wohl und gut aufgenommen.

Entspannte Einstellung

Dr. Bruckmann – das spürt man ihr schnell ab – bringt ihrem Gegenüber große Wertschätzung entgegen – egal ob das nun die Studenten sind, mit denen sie Lerngruppen bildet oder auch schon mal abends um die Häuser zieht, oder eben die Kollegen am Standort Unterbreizbach. Der Vorteil der Jugend sei es, schneller lernen zu können. Der Vorteil des Alters wiederum, dass der Umgang mit Menschen einfacher werde. „Ich muss keine Karriere machen, ich muss nicht von dieser Anstellung leben, ich frage mich nicht, ob ich eine Stelle kriege“, sagt die verheiratete Pflegemutter einer 17-Jährigen, die zusammen mit ihrer Familie 2014 nach Fulda gezogen ist. Das mache einen entspannter, auch wenn mal etwas nicht auf Anhieb klappe. Apropos Entspannung: Um die Masterarbeit entspannter angehen zu können und um die Anfahrt von Fulda über die kurvenreichen Rhöner Landstraßen jeden Morgen zu vermeiden (immerhin ist sie die Duisburger Autobahnen gewohnt), hat sich Dr. Bruckmann für ihre Zeit im Werratal ein Zimmer in Pferdsdorf genommen, wo sie die Woche über lebt. „Das Lauteste in Pferdsdorf ist die Ulster“, scherzt die Großstädterin. Auch ihr Humor, der auf guter Beobachtungsgabe und Ehrlichkeit fußt, sagt viel über die Naturwissenschaftlerin aus. Auf die Frage, wie ihr vertrautes Umfeld sie beschreiben würde, antwortet sie: „Dass ich eher unkompliziert bin.“

Ende April läuft Petra Bruckmanns Vertrag aus; dann will sie auch mit ihrer Masterarbeit fertig sein. Anschließend stehen noch zwei Klausuren und eine Hausarbeit an, bevor sie ihren Abschluss hat. „Dann bin ich ‚Master of Desaster‘“, sagt sie und lacht. Was danach kommt, weiß sie noch nicht. Sie sieht es locker: „Es kommt doch immer anders als geplant.“ Ihr eigener Lebenslauf sei dafür ein Paradebeispiel. „Als geradlinig kann man ihn nicht bezeichnen. So mancher mag ihn wohl eher als ‚Herumeierei‘ ansehen. Ich habe mich halt immer den Gegebenheiten anpassen müssen.“

Fest steht, dass Dr. Bruckmann auch nach ihrem Abschluss weiter arbeiten will. „Meine Tochter ist flügge, mein Mann acht Jahre jünger. Wenn er in Rente geht, bin ich 73. Bis dahin kann ich doch nicht nur putzen“, sagt sie im Brustton der Überzeugung und fügt augenzwinkernd hinzu: „zumal ich überhaupt nicht gerne putze!“

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